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Vorstellung des Ganzen zu befördernist esnothwcudig, daß in jeder Land-schaft eine einzige Hauptstellc scy, aufder die Vorstellung wesentlicher Din-ge, wie in einem Mittelpunkt vereini-get sey; von dem was gegen denRand des Gemahldcs kommt, mußnichts so hervorstechen, daß dasAuge dahin gezogen werden konnte.Sollte in der Natur etwas dieser Artda seyn, so mnß es weggelassen, oderdurch etwas gleichgültiges bedektwerden. Landschaften, dergleichenman nicht selten, und auch von gu-ten Meistern sieht, die einen weitenStrich Landes vorstellen, woraufalles gleich schon und interessant ist;die deswegen in virl kleine Stükekonnten verschnitten werden, davonjedes so gut eine Landschaft wäre,als das Ganze, können nie einegroße Würkung thun.
Zu der Vollkommenheit des Gan-zen tragt nicht wenig bcy, daß dieganze Landschaft in Ansehung desHellen und Dunkeln nur aus zwei)Hauptmassen besiehe, davon die einehell und die andre dunkel sey. Wennman so weit davon wegtritt, daß mannichts mehr von den Gegeilstandenerkennet: so müssen die zwcy Massengut in das Auge fallen, und so ge-baut seyn, daß sie keine stark hervor-stehenden Spitzen haben, sondern bey-de sich der Rundung nähern. DieseProben halten fast alle Landschaftendes Phil. Wowermans aus. Siehctman von weitem mehrere helle unddunkele Stelleu, wie Flcken auf demGeniahlde zerstreut, und laufen dieseZleken in Spitzen aus: so kann dieZandschaft auch in der Nahe nichtgefallen.
Aufdas einfallende Licht kommt indiesem Stük fast alles an. DieselbeLandschaft, die zu einer Stunde desTages, und bcy einer gewissen Be-schaffenheit des Himmels oder derLuft, völlig matt ist, und viele zer-streute Massen sehen laßt, die das
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Auge nicht zusammenfaßt, kann z«einer andern Stunde fürtrefflich insAuge fallen. Es wäre zu wünschen,daß ein gcsehikter Landschaftmahlereine solche Gegend bey zwanzigerleyLicht und Himmel, aber immer ausdemselben Gesichtspunkte entwürfe,und flüchtige Zeichnungen, aber mitrichtiger Anlage des Colorits, her«ausgäbe. Eine solche Folge vonBlattern würde für angehende Land-schaftmahler höchst nützlich seyn;denn daraus konnten sie am bestenden großen Einfluß des einfallendenLichts kennen lernen.
Was über das Besondere derZeich«Nung und des ausgeführten Coloritsanzumerken ist, konnte in einer einzi-gen Regel vorgetragen werden; aberdas beste Genie hat das ganze Lebeneines Menschen nothig, um alles zulernen, was diese einzige Regel fo-dert. In Zeichnung und Farbe mnßalles so natürlich seyn, daß das Au-ge völlig getauscht wird, und nichteine gewählte, sondern würklicheLandschaft zu sehen glaubt: man mnßWarme nnd Kalte, frische, erquiken-de, und schwüle niederdrükcnde Luft,zu empfinden glauben; man muß de»rieselnden Bach, oder den rauschen-den Strohn,, nicht nur würklich zusehen, sondern auch zu hören glau-ben; das Harte des steinigten Bo-dens, und das Weiche des Mooseseinige! maaßen von Ferne fühlen;kurz jeder Gegenstand muß nachMaaßgebung seiner Entfernung undErleuchtung so gezeichnet und ge-mahlt seyn, daß nicht nur das Au-ge ihn erkennet, sondern auch denübrigen Sinnen die Versicherunggicbt, sie würden ihn so, wie in derNatur empfinden. Dieses ist derHochsie Grad der vollkommenen Bear-beitung, den selbst die grüßten Meisternicht allemal erreicht haben. Dazuwird außer dem Genie ein ausneh-mend fleißiges Studircn erfodert.
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