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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
152
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»5S Lau

im Herbst siudirt werden. Wer sichaber in der Kunst der Harmonie prü-fen will, der mahle Frühlingsland-schaften; denn in diesen ist sie amschwerestcn zu erreichen *).

Dcs-Piles, dem auch der Herrvon Hagedorn zu folgen scheinet, thei-lct die Landschaft in zwei) Gattungenein, die heroische und dieHirteustüke;aber es giebt cincMittclgattung. diezu keiner der vorhergehenden kanngerechnet werden, da sie hauptsächlichScencn aus dem Geschaffte treiben-den bürgerlichen Leben vorstellt, wiedie Seehafen des Lingelbachs und desVernets. Man muß sowol von demleblosen, als dem sittlichen Inhaltder Landschaft, die Bestimmung ihrerGattung hernehmen. Nach jenemhat man zwcy Arrcu: die gesperrtenLandschaften, wie der Herr von Ha-gedorn sie nennt, und die wiranders-wo Gegenden nennen; und die offenenLandschaften von frcyer. Aussicht iuentfernre Gegenden. In AnsehungdcrStaffirung, oder bcr aus der thie-rischcn und sittlichen Natur mit derLandschaft verbundenen Scenen, ent-stehen vielerlei) Arten, durch derennähere Bestimmung die Theorie derKunst wenig gewinnen würde. Dennwas hierüber dem Künstler zu geuanc-ser Ucbcrlegung zu empfehlen ist,kann in eine allgemeine Maxime zu-sammengefaßt werden. Was demleblosen Stoff ans dcr thicrischcn undsittlichen Natur eingemischt wird,muß eine natürliche Verbindung da-mit haben, und bcydcs muß sich ge-genseitig unterstützen und heben. Ei-ne Wildniß erträgt nicht jeden Ge-genstand, der sich in eine angebauteGegend schikte. Ein Künstler von em-pfindsamer Seele, den eine Gegend,oder ausgebreitete Landschaft gerührthat, wird leichte die Gattung derästhetischen Kraft, die vorzüglich iuderselben liegt, unterscheiden. Hat erdenn eine reiche Einbildungskraft,*) S. Ton; bufrpcrspektiv.

Lau

Kcnntniß der Welt und der Menschen,so werden ihm Gegenstände genugeinfallen, die das Gemüth mitKräften derselben Art angreifen.In einer finstcrn unangcnchmenWild-niß wird er einen menschenscheuenFantasien, und in einer angeneh-men schonen Wildniß lieber einenehrwürdigen Einsiedler wohnen las-sen , der die Welt verlassen hat, umder Ruhe zu gemessen. Bisweilenliegt in dem leblosen Stoff erstaun-licheKrast die Empfindungen zu ver-stärken. So wie Haller, da er seineSeele zum höchsten Grad einer fin-stcrn Ernsthaftigkeit stimmen will,sich in Gedanken in eine Wildnißversetzt:

In Wälder wo kein kickt durch finstreTannen strahlt,

Wo sich in jedem Bild die Nacht de»Grabes mahlt;

so findet auch im Gegenthcil der Wäh-ler zu einer fröhlichen oder traurigenGegend , zu einer fruchtbaren oderdürren Landschaft, einen sittlichenoder leidenschaftlichen Gegenstand,der durch jenes verstärkt wird, wannes ihm nur nicht an dem poetischenGenie fehlet. Und wie der Dichterjedes cinzclc Bild, jedes Wort, inden eigentlichen Ton seines Inhaltsstimmet, so muß auch der Landschaft-mahler den geringsten Gegenständenden Charakter des Ganzen zu gebenwissen. Nie. Poußin und Salva-tor Rosa können hierin zu Musterndienen.

Was sonst hier noch von dem ver-schiedenen Charakter der Landschaf-ten und der berühmtesten Landschaft-mahlcr zu sagen wäre, hat der Herrvon Hagedorn in seinen Betrachtun-gen über die Mahlcre.)->), die in allerLiebhaber Händen sind, so fürtreff-lich ausgeführt, daß es unnörhig ist,hier dasselbe zu wiederholen.

Ausser

») Die -;--8tc Betrachtung.