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verspricht, obgleich jede ihren eige-nen Geist hat. Dabei) lernet derMensch zuerst fühlen, daß eine nichtblos thierische Empfindsamkeit fürdie erschütternden Eindrükc der grö-ber» Sinnen, sondern ein edleresGefühl das Innere seines Wesensdurchdringet, und eine Würksamkeitin ihm rege macht, die mit der Ma-terie nichts gemein hat. Erlernt an-dre Bedürfnisse kennen, als Hungerund Durst, und die blos auf die Er-haltung der grobcnMaterie abzielen.Er lernt ein unsichtbares in ihm lie-gendes Wesen kennen, dem Ord-nung, Uebercinstlmmung, Mannich-faltigkcit gefallen. Die Schönhei-ten der leblosen Natur unterrichtenden im Denken noch ungeübten Men-schen, daß er kein blos irdisches,aus bloßer Materie gebildetes We-sen sei).
Auch bestimmtere Empfindungenvon sittlicher und leidenschaftlicherArt, cntwikeln sich durch Betrachtungder leblosen Natur. Sic zeiget unsScencn, wo wir das Große, dasNeue, das Außerordentliche bewun-dern lernen. Sie hat Gegenden, dieFurcht und Schauder crweken; an-dre, die zur Andacht und einer feycr»lichcn Erhöhung des Gcmüthcs einla-den; Scenen einer sanften Traurig-keit, oder einer erquikenden Wollust.Dichter und andachtige Eremiten,Enthusiasten von jeder Art, empfin-den es und haben sich zu allen Zeitendieselben zu Nuke gemacht. Werfühlet nicht die fröhlichsten Regungender Dankbarkeit, wen» er den Reich-thum der Natur in fruchtbaren Ge-genden vor sich verbreitet findet?wer nicht seine Schwache und Ab-hänglichkeit von höhcrn Kräften,wenn er die gewaltigen Massen über-hangender Felsen sieht; oder dasRauschen eines gewaltigen Wasser-falles, das fürchterliche StürmendesWindes, oder der Wellen des Mee-res höret? Wcn schrekt nicht das Her-
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anrauschen großer Ungcwittcr? Oderwer fühlt nicht in allen diesen Scencndie allmächtige Kraft, die die ganzeNatur regieret? Ohne Zweifel hatder ununterrichtetcMensch die erstenBegriffe der Gottheit aus solchenScenen geschöpft ch.
Eine stille Gegend voll Anmuth,das sanfte Riefeln eines Bachs, unddas Lispeln eines kleinen Wasserfal-les, eine einsame, von Menschenunbetrctene Gegend, crweket em suüft-schauerndes Gefühl der Einsamkeitund scheinet zugleich Ehrfurcht fürdie unsichtbare Macht, die in diesenverlassenen Orten würket, einzuflößen.Kurz jede Art des Gefühls wirddurch die Scenen dcr Natur rege.Der Philosoph, dcr überall die Spu-ren einer unendlichen Weisheit undGüte findet, wird überzeuget, daßdiese verschiedenen Kräfte nicht ohneAbsicht in die leblose Natur gelegtsind. Sie sind dcr erste Unterrichtfür den Menschen, dcr die Sprachedcr Vernunft noch nicht gelernt hat;durch ihn wird sein Gemüth allmäh-
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5) Man kann ohne Gottlosigkeit wenig-stens von mehrcrn Völkern mit demPetronins sagen:
vrinwz in orbe Oeos kecir rimor.Alle Völker der Erde haben es gcfüh-Ict, daß eine höhere Macht über dieNatur herrscht. Nun ist es gegen allehistorische Wahrscheinlichkeit, daß dieseBegriffe sich durch eine unmittelbareOffenbarung auf dem ganzen Erdbo-den ausgebreitet haben: also sind siewenigstens bcy einigen Völkern ohneOffenbarung vorhanden. Don diesenscheinet die Vermuthung des Dichter«gegründet. Man wird sich um s»viel weniger darüber wundern, wennmau bedenket, daß dieses das gemeineSchiksal der größten Wahrheiten ist.Erst cntdcket man sie als schwacheMuthmaßungcn, durch eine Ar.- dcSGefühls: nach und nach werde,' siedurch aufmerksameres Beobachten bc-stlltiget, und zuletzt durch tiefere E n-sichren derer, die weiter als andre se-hen . aus unumstößlichen Grundsätzenerwiesen.