Falle zu finden, äußerst lacherlich zuseyn, oder zu werden. Cr machtalso keine Anwendung auf sich, wennihm gar zu grobe Narrheiten vorge-halten werden. Man muß da ebenso behutsam verfahren, wie bey denDrohungen mit den Strafen der Ver-gehungen. Einen Menschen, dernoch Empfindung von Ehre hat, kannman nicht durch Galgen und Radschrcken, sie liegen außer seinemKreis; und so ist auch das Tollhauskeine Warnung, die man verständi-gen Menschen geben konnte. Werin Mol irres Tartnffc, oder Harpa-gon sich selbst erkennt, wird dadurchnicht gebessert; denn er hat alleScham bereits verloren: ein feinererTartusse und Harpagon aber wen-det dieses grobe Lacherliche nicht aufsich an.
Darum soll der römische Dichter,der die Menschen von Thorheitcn be-freien, oder sie davor warnen will,sowol in der Wahl des Lächerlichen,als in der Schilderung desselben vor-sichtig seyn. Er soll uns nicht grobeNarrheiten, die wir selbst auch hin-länglich bemerken, sondern unsre ei-gene Thorheitcn, die wir aus Unacht-samkeit, oder ausMangel des Scharf-sinns nicht bemerkt haben, lebhaftfühlen lassen, um uns davon zu hei-le». Entdekct er ausgcbrciteteThor-hciten, die wir übersehen könnten,die wir noch nicht haben, aber viel-leicht annehmen würden, so warneer uns bey Zeiten davor; vor grobenNarrheiten halten wir uns durch unsselbst schon genug verwahret.
Hier ist leicht zu sehen, daß nurdie scharfsinnigsten Köpfe, die vielweiter als andre, auch nicht unver-ständige Menschen, sehen, zu diesemWerk aufgelegt sind. Wer nichtüber alle andre Menschen wegsieht,muß sich daran nicht wagen. Da-her kommt es, daß comifche Dichterdieser A t so sehr selten sind. Woes auf bloße Belustig mg ankommt,
wovon vorher gesprochen worden,da hat es so viel nicht auf sich ; einegute comifche Laune ist dazu hinläng-lich, wiewol auch diese schon eineziemlich seltene Gabe ist. Aber hiermuß noch allgemeine, überwiegendeBcurtheilung der Menschen nnd Sit-ten dazukommen. Wir erinnern die-ses, um junge comifche Dichter zuwarnen, daß sie sich nicht zu frühin dieses Feld wagen; sie mögen erstversuchen uns zu belustigen; aberehe sie uns vom Lacherlichen zu hei-len versuchen, müssen sie sehr gewißseyn, nicht daß sie gemeine Narren,sondern auch klügere Menschen, über-sehen. Dazu gehört eine ungemeineKenntniß der Menschen und der Welt,von den tiefsten Einsichten der Philo-sophie unterstützet. Die aber dieseKenntniß und Einsicht durch langesBeobachten und scharfes Nachdenkenerlangt haben, besitzen denn selten,noch die comifche Laune, den Ge-brauch davon zu machen.
Dieser Schwierigkeit ist es nochmehr zuzuschreiben, als dem Mangelan Thorheitcn, wie einige glauben,daß die deutsche Schaubühne noch sowenig Gutes in dieser Art aufzuwei-sen hat. Es ist wahr, daß Deutsch-land blos zur Belustigung wenigercomifche Originale hat, als andreLander, wo man frcyer lebt und sichweniger nach andern umsieht, um esso zu machen wie sie. Der Deut-sche scheuet sich ungefchikt zu schei-nen, und hat nicht Much genug sichganz seinem Gutdünken zu überlas-sen ; darum ist er weniger Original,als mancher andrer. Aber an Vor-nrtheilen und Thorheitcn fehlet esihm wahrlich nicht, dlon äsest ma-teris, seä srtitsx. Es fehlet'unsan Geistern, die von einer gewissenHöhe auf uns herabsehen, und dannLust nnd Laune genug hatten, sichmit uns abzugeben, und uns dasLacherliche, das sie cntdekt haben,vorzuzeichnen. Meland steht hoch
genug,