Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
129
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Kür

Überzahlen und Ausgeben erleichtert.Diesen Vortheil drükt Horaz sehrwolaus:

ur ciro <l!6ts

se>'c//>sa»r animi ciocilez re»eaut-tistelez.

5)?an muß die Kürze der Gedankenvon der Kürze des Ansdruks unter-scheiden. Jene besteht in dein Reich-lhn»i der Begriffe; diese kommt voneiner klugen Sparsamkeit der Wör-ter und der Redensarten her. AlsCasar dem Brutus, den er unter sei-nen Mördern crblikr hatte, zuruftc:auch du mein Sohn! mußte diesereinzige Gedanke erstaunlich viel Vor-stellungen in dem Brutus envckcn.Hier liegt die Kürze in dem Gedanken;denn wenn mau auch diesen Gedan-ken in mehr Worten ausdrükte, undsoweit, als möglich ist, ausdehnte:so wird er doch immer noch sehr vielsagen. Eben diese Kürze der Gedan-ken treffen wir in der Anmerkung an,die beym Tercnz jemand über einenZünglmg macht, den: seine Verge-bungen vorgehalten werden: er wirdroch; alles ist zerronnen*). DerAnsdruk ist natürlich, und gar nichtzusammengepreßt; aber der Gedan-ke enthält die halbe Sittenlehre.

Es giebt auch eine Kurze, die blosvon der Wendung der Gedanken her-kommt. Von dieser Art ist folgendesaus der Rede für den Milo. IVücdeman auch dieses nicht erzählen, son-dern vormahlen; so würde es den-noch offenbar sepn, welcher vonbepdcn Oer Nachsteller sey, undwelcher von bepden nichts Argesin, Sinne hatte "). Hier ist das,was Cicero sagen wollte, durch eineglükliche Wendung wunderbar abge-kürzt. Er will sagen, daß durch die

5) Lrukail; liilvs re» ell. 1°erenr.^clelpb.

S» kacc ncm Zell» »uäireris, lest piÄ»vnte, cci»: rsmen »ppsierer, uecr eikecinliäisror: urer niliil coxiisrec mAi.tlicero pro Uilone.

Dritter Thcil.

Kür lZA

richtigste und einfachste Erzählungder Sache, die ohne Anmerkungenoder Auslegungen wäre, dieUnschulddes einen und die Bosheit des andernsich offenbar zeigen würden. Umknrz zu seyn, stellt er jene cinfaclg:Erzählung als eine Mahlercy vor,welche die Wahrheit geschehener Sa-chen durch keine falfche Auslegungverstellen kann.

Die Kürze liegt blos im Ausdruk,wenn weder die Begriffe reich an In-halt, noch die Wendung der Gedan-ken vorrhcilhaft ist, sondern blos diewenigsten Worte zum Ausdruk ge-wählt worden. Von dieser Art istder Ausdruk des Lenophons von demFluß Thelaoba, welcher 5war nichtgroß, aber schon war *). Ein Er-zähler, der die Kürze weniger als Lc-nophon liebte, würde vielleicht gesagthaben, dieser war zwar in Anse-hung seiner Große nicht merkwür-dig; aber an Schönheit übertrafer andre Flüsse.

Da die Kürze, es sey in Gedankenoder im Ausdruk, nur denn vorthcil-Haft wird, wenn sie mit hinlängli-cher Klarheit verbunden ist, so mußman sich dieser dabey äußerst beflcis-sen. Horaz sagt viel in diesen we-nigen Worten:

?zuluin tepulc.ie clillar inerrize

Oelars Vireus *).

Aber diese Kürze nützet dem, der ei-ner Auslegung dieser Worte bedarf,nichts.

Die Kürze in Gedanken erreichtnur der, der in, Stande ist viel Wahr-heiten auf einen allgemeinen Salz,eine an Begriffen sehr reiche Vorstel-lung auf einen einzigen Begriff zubringen, wie Haller, wenn er den

gegen-

5) 0^05 Sk o'v «aXor c),.

D. i. ES ist ein geringer Unterschiedzwischen dem, der wegen seiner Unthst-tigkeit im Grabe der Vergessenheitliegt, und dem dessen Thacen nichtmehr bekannt sind.

I