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seyn. Dazu wird aber unstreitig einGenie von der ersten Größe crfodcrt.Darum verkennen die, welche demKünstler seinen Rang neben demHandwerksmann anweisen, die Na.tur unddcnZwek der Künste ganzlich.Nur wahrhaftig große Geister kön-ne« große Künstler seyn-
Zn diesen Gaben, Fähigkeiten undKenntnissen muß nun noch das eigent-liche Studium der Kunst, und dieFertigkeit der Ausübung hinzukom-men. Die Erlernung der Kunst tragtvielleicht zur Stärkung des Genieswenig bei), aber die Ausübung machtdoch alle Fähigkeiten zu Fertigkeiten;deswegen ist eine beständige und täg-liche Ucbling dem Künstler höchst nö-thig. Darum ist die Maxime, dieman dem Apcllcs zuschreibt, keinenTag, ohne einige Striche zu machen,vorbey gehen zu lassen, sehr gut.Man wird in der Geschichte der Künsi-ler fast durchgehends finden, daßvorzüglich große Künstler auch diegrößte Arbeitsamkeit gehabt habe».Mit dieser Arbeitsamkeit und tägli-chen Ucbung in dem Mechanischen derKunst, muß auch ein anhaltendesStudium der besten Kunstwerke ver-bunden werden. Dieses hilft demGenie am meisten zu seiner völligenEntwiklung, weil es eigentlich nichtsanders, als eine beständige Uebungdesselben ist *).
Dem Künstler ist zu rathen, daßer seinen Rnhm nicht auf seine Ta-lente, sondern auf den edlen undgroßen Gebrauch derselben stütze.Er kann, wie wir anderswo**) deut-lich gezcjget haben, seiner Nation diewichtigsten Dienste leisten, die vonmenschlichen Gaben zu erwarten sind,Er kann sich so viel Ehre erwerben,als der Feldherr, oder als der Ver-walter der Gerechtigkeit, oder als derdie Menschen erleuchtende Philosoph.Weh ihm, wenn er sich selbst durch
5) S, Studium.
»*) Im Artikel Künste.
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unbedeutende, oder gar niedrigeWerke, dieser Ehre beraubet!
Kunstri ch t e r.
^Dieser Name kommt eigentlich nurdemjenigen zu, der außer den Talen-ten und Kenntnissen des Kenners,wovon an seinem Orte gesprochenworden "1, auch noch alle Kenntnissedes Künstlers besitzet, dem es also,um ein Künstler 'zu seyn, nur auder Fertigkeit der Ausübung fehler.Wie der Kenner beurthcilet er denWerth eines Kunstwerks; aber Über-bein weiß er noch, wie der Künstlerzum Zwek gekommen ist; er kennetalle Mittel, ein Werk vollkommen zuinachen, und cntdcket die nächstenUrsachen der Unvollkommenhelt des-selben. SeinUrthcil geht nicht blosauf die Erfindung, Anlage und dirWürkung eines Werks, sondern aufalles, was zum Mechanischen derKunst gehört, und er kennet auch dieSchwierigkeiten der Ausübung.
Darum ist er der eigentliche Rich-ter über alles, was zur Vollkommen-heit eines Kunstwerks gehöret, undder beste Rathgeber des Künstlers:da der Kenner blos dem Liebhaberzum Lehrer dienet. Wer mit Ehrenöffentlich als cinKunstrichter auftre-ten will, muß sowol den Kenner alsden Künstler zurechte weisen können.Wenn jener mehr verlanget, als vonder Kunst zu erwarten ist, muß erihm sagen, warum seine Erwartungnicht kann befriediget werden; undwenn dieser gefehlct hat, muß er ihmzeigen, wo der Mangel liegt, unddurch was für Mittel ihm hatte kön-nen abgeholfen werden. Wenn manbedenkt, wie viel Talente und Kennt-nissc zu einem wahren Kunstrichtergehören, so wird man leicht begrei-fen, daß er eben so selten als einguter Künstler seyn müsse.
Es
') S. KHnßler.