K n n
Genie her, sondern von diesem Zufal.ligcn, weil sie mehr Gelegenheit alsandre gehabt haben, große Dinge zusehen *). Ein Jüngling, von dembesten poetischen Genie, der in derUnwissenheit über Menschen undmenschliche Angelegenheiten aufge-wachsen ist, findet in der ganzenMasse seiner Vorstellungen nichts,das ihn intercssirt, bis das Gefühlder Freundschaft oder der Liebe inihm rege wird, und er den Genußdes Lebens empfinde» lernt. Seingroßes Genie wird also auch nichtswichtigeres, als eine verliebte Elegie,Acnßerung der Freundschaft, einTrinklied, oder etwas von dieser Arthervorbringen können. Wie man-cher Mahler mag mit dem größtenGenie zur Kunst ein Blumen - oderLandschaftsmahlcr geblieben sepn,weil es ihm an Keniuniß und Erfah-rung gefehlt hat, größere Gegenstän-de zu bearbeiten! Wenn also die Na-tur einem Menschen alles gegeben hat,was zum Genie eines großen Künst-lers gehöret, so muß auch dasGlükihn durch Wege geführt haben, woer die Natur und die Menschen vonmehreren interessanten Seiten hatsehen könne.i. Erst alsdann besitzter alles was nothig ist, ein wichti-ges Werk der Kunst in seinem Kopfezu entwerfen.
Die psychologische Kcnntniß desMenschen, der fast unerforschlichenWege und Tiefen der Einbildungs-kraft und des Herzens, muß das Stu-dium der Kunst vollenden. Es ist un-endlich leichter den Weg der Vernunft,der ganz gerade ist, als die krummeBahn der Sinnlichkeit zu erforschen.Es giebt nur eine Art die Vernunftzu überzeugen; aber auf unzahligeArten kann die Sinnlichkeit angegrif-fen werden. Die muß der vollkom-mene Kunstler also kennen; damit erimmer diejenige wähle, die ihn zumZwck führet.
*) S. dic Alten.
K t't n !0Z
Aristoteles hat für die Redner eineTheorie der Leidenschaften geschrie-ben, daraus sie lernen sollten, wie je-der beyzukommen sey. Dieß ist nochder leichteste Theil der psychologi-schen Kenntnisse des großen Künst-lers. Die Einbildungskraft thutbey den Leidenschaften das Meiste.Wer ihre wundervollen Würkungenkennte, müßte diese völlig in seinerGewalt haben. Aber in keinem Theilist die Psychologie unvollkommener,als in diesem. Hier ist den Philoso.phcn ein weites und wenig angebau-tes Feld zu ruhmvollen Arbeiten of-fen. Leibnitz und Wolf haben denEingang zu diesen Feldern eröffnet.Deutschlands Philosophen! euchkommt es zu, hineinzugehen, und eszu bearbeiten; dem Menschen über-haupt die wichtigste Eigenschaft sei-»er Seele, und dem Künstler das für.nehmste Werkzeug die Gcmüther zulenken, näher bekannt zu machen!
Sowol dic Erfindung des Stoffs,als die Bearbeitung desselben, crfo.der» eine gute Erfindungskraft: einGenie, zu Erreichung jeder Absichtdie eigentlichsten Mittel zu erfinden.Der Künstler ist ein Manu, der dieMittel, das menschliche Gemüth zulenken, in seiner Gewalt haben muß.Dazu ist es noch nicht hinlänglich,daß er den Menschen kennt; er muffdas glükliche Genie besitzen, den zurFührung dcsMenschcn nothigenDar-stellungen hinlängliche Kraft zu ge-ben. Von den mannichfaltigen Ge-stalten , die die Gedanke» der Men-schen annehmen können, muß er fürjeden Fall die kraftigste zu finden undanszudl-üken im Stande seyn. WasVirgil von einem großen Rednersagt: re^it lliätis snirnos et peäkc».ra mnlcet *), das muß jeder Künst-ler in seiner Art zu thun im StandeG 4 seyn.
*) Er lenkt die Gcmüther durch scinZu-reden, und bcsllnstiget die Wuth derteidcnschaft.