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3 (1793) [K - Q]
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daß cr sich gänzlich vom Schonenentfernt. Dieser Geschinak muß diePhantasie überhaupt immer beglei-ten, damit die Vorstellungen desKünstlers allemal den Grad desSchonen erhalten, der sie angenehm,eindringend und auch der äußerli-chen Form nach interessant macht*).Diese schätzbare Gabe ist nicht allemalMit der lebhaften Empfindsamkeitverbunden; sie muß als eine beson-dere für sich selbst besiehende Eigen-schaft angesehen werden.

Diese beyden Eigenschaften ver-bunden können schon einen feinenKünstler bilden; aber der großeKünstler, dessen Werke von Wichtig-keit scyn sollen, muß noch andereGaben besitzen. Der beste BlumcN-mahler ist darum »och nicht ein gros-ser Mahler; und der in der Dicht-kunst die artigsten Kleinigkeiten ande» Tag bringt, kann sich darumNicht auf die Bank setzen, wo Ho-mer, Sophokles oder Horaz sitzen**).Li.be zu dem Vollkommenen und Gu-ten und gründliche Kcnntniß desselbenmuß zu jenen Gaben nvlhwendig hin-zukommen s). Nur der starke Den-ker, der zugleich überall das Gutesucht, für den das Vollkommene unddas Gute das höchste Interesse haben,bildet und bearbeitet in seinem Gei-ste Gegenstände, die den schonen Kün-sten ihren, größten Werth geben.Horaz sagt, der fei) der vollkommeneKünstler, der das Nützliche in dasAngenehme mische; aber es ist demhöchsten Zwek der Künste gemäßer,diesen Satz umzukehren, und den fürden wahren Künstler zu hakten, derdas Angenehme in das Nützlichemischt. Soll aber das Nützliche dieGrundlage der besten Werke der Kunstseyu. so muß der Künstler einen vor-züglichen Geschinak an dem Vollkom-menen und Guten haben. Es ist

*) S. Schön,

^*) G. Kein.

s) S. Kraft.

K ü n

nicht die Sinnlichkeit mit dem Ee-schmak am Schönen verbunden, wo-durch Homer und Sophokles, undPhidias und Raphael, in der Reyheder Künstler den ersten Rang behaup-ten; diesen erwarben sie sich dadurch,daß sie mit jenen Gaben die Liebe zurVollkommenheit verbunden haben.Wer an Geist und Gcmüth ein großerMann ist, wer eine starke Vernunftmit einem großen Herzen verbindet,und bey dieser Große noch jene sinn-liche Empfindsamkeit und den Ge-schinak am Schonen hat, der ist auchder große Künstler.

Also müssen fast alle große Grabendes Geistes und Herzens zusammen-kommen, um das große Kunsigeuic zubilden. Deswegen darfman sich nichtwundern, daß die Künstler vom er-sten Range in so kleiner Anzahl sind,und nur von Zeit zu Zeit erscheinen.

Und doch ist es mit diesen Talen-ten noch nicht ausgerichtet; sie ma-chen den Künstler fähig, den Stoffzu seinem Werk in seiner eigenen Vor-stellungskraft zu bilden, wenn dieMaterialien dazu vorhanden sind.Diese bekommt cr blos aus Erfah-rung, Kennrniß der Welt und dermenschlichen Angelegenheiten. Dasgrößte Kuiisigenie wird kein beträcht-liches Werk bilden, so lange es ihmau dieser Erfahrung und Kenntnißder Welt fehlet. Zur Beredsamkeitist es nicht genug, das Genie desDemosihencs, oder des Cicero zuhabe»; man muß auch die Gelegen-heit gehabt haben, dieses Genieau wichtigen Gegenständen zu ver-suchen.

Die Talente sind also einigermas-sen todte Kräfte, so lange der Kopfdes Künstler leer an Vorstellungenist, die sein Genie bearbeiten kann.Also muß auch die Erziehung, Lebens-art und Erfahrung zu dem Geniehinzukommen. Daß die griechischenKünstler alle andere übertroffen ha-ben, kommt nicht von ihrem größer»

Genie