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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
101
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K ü n

den derErkenntniß alles Körperlichebenehmen, um blos mit dem Augedes Verstandes das Einfache darinzu fassen, sind zu strengen Wissen-schaften aufgelegt; zu den scheuenKünsten wird nochwendig ein Hangzur Sinnlichkeit erfodert. Diesermacht, daß wir uns das Abstraktein körperliche» Formen vorstellen, daßwir sichtbare Gestalten bilden, in de-nen wir das Abstrakte sehen. Jemehr Fertigkeit ein Mensch in dieserKraft zu dichten hat, je lebhafterwnrken die von Sinnlichkeit entfern-ten Vorstellungen auf ihn. Darumist jeder Künstler ein Dichter; dievornehmste Kraft seines Genies wirdangewendet, die Vorstellungen desGeistes in körperliche Formen zu bil-den. DicserHang zeiget sich nirgenddeutlicher, als bcy den Künstlern,die vorzüglich den Namen der Dich-ter bekommen haben, die mehr,als andre, abstrakte Vorstellungenmit Sinnlichkeit bekleiden, weil siemehr, als andre Künstler, mit sol-chen Vorstellungen zu thun haben.Daher kommt die poetische Sprache,die voll Metaphern, voll Bilder, vollerdichteter Wesen ist, und die selbstdem bloßen Klang ein innerliches Le-ben einzuhauchen im Stand ist.

Es ist ebenfalls eine Würkung die-ser Dichrnngskraft, und dieses Han-ges zur Sinnlichkeit, daß man dasUnmaterielle und Geistliche in derMaterie cntdcket, welches eine vor-zügliche Gabe des Künstlers ist; daßman in bloßer Mischung todter Far-ben Sanftmuth oder Strcngigkeitfühlet. Daß man in blos körperli-chen Formen, in der schlanken Ge-stalt eines Menschen, in der BildungcinerBlume, selbst in der Anordnungder leblosesten Dinge, der Hügel undEbenen, der Berge und Thaler, et-was geistliches, oder sittliches, oderleidenschaftliches entdeket, ist eineWürkung dieser Sinnlichkeit; wie

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wenn Hagedorn' zu einer Schönensagt:

Erkenne dich im Bilde,

. Von dieser Flur.

Gey stets wie dies GefildeSchön durch Natur,

Erwünschter, als der Morgen,

.Hold wie sein Strahl,

So srcy von Stolz und Sorge»,Wie dieses Thal.

In dieser Empfindsamkeit, die wirfür dieGrundlagc desKünstlergenicshalten, liegt unmittelbar der Grundder jedem Künstler so nothwendigenBegeisterung. Diese bringet die schön-sten Früchte hervor, und tragt, wieschon anderswo bemerkt worden ist *),das meiste zur Erfindung und lebhaftten Darstellung der Sachen bcy, in-dem die Seele des Künstlers durchdie Stärke der Empfindsamkeit in ei,nen hohen Grad der Würksamkeit ge-setzt wird.

Aber mit dieser Anlage zum Kunst-genie muß ein reiner Geschmak an demSchönen verbunden seyn, der dieSinnlichkeit des Künstlers vor Aus-schweifungen bewahre. Denn nichtsist ausschweifender und zügelloser,als eine sich selbst überlassene lebhaf-te Einbildungskraft. Der Künstlerist einigermaßen als ein Mensch an-zusehen , der wachend träumet, undder mit Vernunft raset; wenn ihndiese verläßt, gcräth er in abenthcuer«liche Ausschweifungen.

Wie ein Mensch, der es in verschö-nen Tanzkunst zu einer gewissen Fer-tigkeit gebracht hat, auch da, woerauf seine Bewegungen nicht Acht hat,und selbst in dem größten Feuer derThätigkcit, da er sich selbst vergißt,noch immer angenehmere und bessergezeichnete Stellungen und Bewegun-gen annimmt, als ein anderer, sowird auch ein Künstler, dessen Ge-schmak am Schönen einmal festgesetztist, in dem größten Feuer der Begei-sterung sich nie so weit vergessen,G z daß

S. Begeisterung.