K u >i
den blas künstliche U?erkc genannt.Sic können gefallen; denn es ist dochallemal eine Ait der Vollkommenheit,genau nach Kunstregeln zu handeln.So hat man Ursache ein Blnmen-oder Fruchtstüh dasderMahler blosnach der Natur copirt hat, zu bewun-dern, wenn es das Urbild vollkommenausdrükt. Zu dieser vollkommenenDarstellung eines in der Natur vor-handenen Gegenstandes gelanget dochkein Künstler blos durch Befolgungder Kunstregeln; er muß nothwendigdas Genie seiner Kunst besitzen.
Es giebt auch Werke, die so blosKnust sind, daß auch nicht einmaldas besondere Künsilcrgenie dazu er-fordert wird; die blos durch Aus-übung deutlicher Regeln, die jederMensch lernen kann, ihreWürklich-keit erlangen. So ist eine nach allenRegeln derPerspektiv gemachte Zeich-nung, darin nichts, als gerade Li-nien vorkommen. Diese kann jederMensch Machen, der sich die Mühegicbr, die Regeln genau zu lernenund zu befolgen. Dergleichen Werkemachen ohne Zweifel die untersteClasse der Kunstwerke aus; oder viel-mehr gehören sie gar nicht mehr zuden Werken der schönen Künste, weilsie blos mechanisch sind. Die schö-nen Künste erkennen eigentlich nurdie Werke für die ihrigen, deren bloßeDarstellung oder Bearbeitung Genieund Geschmak erfodert, weil sie nichtnach bestimmten Regeln kann ver-richtet werden. So kann z. B. keinMahler ohne Genie und Geschmakein guter Colorisie werden.
Bei) Vergleichung der Natur undder Kunst kann man bemerken, daßdasjenige, was man blos der Naturzuschreibt, sich in einem Werk findet,ohne daß der Grund, warum es daist, erkennt wird; die Kunst aber han-delt aus Ueberlegung, und erkennetdie Gründe, nach denen sie handelt.Der Künstler, der in dem Feuer derBegeisterung seine Arbeit entwirft,
Dritter Theil.
Ku n Y7
findet jeden einzelen Theil desWerks,ohne ihn lange zu suchen; die Gedan-ken drängen sich in seinem Kopf undbieten sich an Ort und Stelle vonselbst dar *); der Entwurf wird fer-tig und ist oft fürtrefflich, ohne daßder Künstler die Gründe kennt, ausdenen er gehandelt hat. Oieß istNätur.
Wenn er nun aber hernach mit kal-terUeberlegung seinen Entwurf wie-der betrachtet; wenn er die Beschaf-fenheit des Ganzen und der einzelenThcile überlegt und dabcy findet, daßdieses oder jenes aus ihm bewußtenGründen anders sryn müßte, um demWerk eine größere Vollkommenheitzu geben, und diesem zufolge dieAeu-dernng macht: so ist dieses Kunst.Je mehr Erfahrung und Ucbung derKünstler mit feinem Genie verbindet,je leichter etttdcker er die Mangel desblos durch Genie entworfenen Werks.Also giebt die Kunst ihm die wahreVollkommenheit, auch schon ohneRüksicht auf seine äußerliche Dar-stellung. Das Geniahlde, das Nurnoch in der Phantasie des Mahlersliegt, hat schon die Würkung derKunst erfahren, wenn Theile darinsind, die er aus Ueberlegung undBewußtseyn gewisser Regeln hinein-gebracht hat. v
Ueber dieses Verfahren der Kunstgiebt man die Regel, daß es so vielwie möglich müsse verstekt werden;dicß heißtso viel. als: daß die durchKunst in das Werk gebrachten Sa-chen, wie die andern, den Charakterund das Ansehen der Natur habenmüssen. Diejenige», welchedasWerkbetrachten, müssen das, was dieKunst darin gethan hat, von dem an-dern nicht unterscheiden können, siemüssen nirgend den Künstler erbliken,damit die Aufmerksamkeit allein aufdas Werk gerichtet werde; denn nurin diesem Falle thut es feme volle
Wür-
*) S. Begeisterung.
G