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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
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Würkung. Wir bewundern einenLaocoon, weil wir blos seine Gestalt,seine Stellung, sein Leiden und dieäußerste Bestrebung seiner Kräfte er-bitten- Sollten wir bcy dem Anblikdieses Werks nur etwas von den viel-fältigen Bemühungen des Künstlers,seine mühsamen Veranstaltungen, je-den Theil dieses wunderbaren Wt'ksim Marmor darzustellen, gewahrwerden: so würde die Aufmerksam-keit von dem Werk abgezogen, undder reine Genuß desselben durch Ne-benvorstcllungcn gestohrt werden.Horaz sagt von den Erdichtungen,sie müssen der Wahrheit so nahe kom-mcn, als möglich: siöt»lintprox!maVerls; und so muß man von dem,was die Kunst thut, sagen, daß esder Natur völlig gleiche.

Die Franzosen nennen gewisseWörter in gekünstelten Versen, dienicht nothwendig zum Sinne gehö-ren, sondern blos da sind, um demVers seine mechanische Vollkommen-heit zu geben, lies csievilles, Nagel,um den Vers zusammen zu halten.Dergleichen Nägel und andere zumGerüste des Kunstgebaudcs gehörigeDinge hat zwar jeder Künstler zu sei-ner Arbeit nöthig; aber in dem vollen-dctenWerke muß alle Spur derselbenausgelöscht scyn. Dieses ist oft sehrschwer: darum sagt man, csseydiegrößte Kunst, die Kunst zu verbergen.Dieses hat selbstVirgil in derAeneisnicht überall zu thun vermocht. Aberin der ganzen Isias wird man schwer-lich irgendwo die Kunst des Dichterscntdeken. Ueberall sieht man nur dieGegenstände, die er mahlt, und hörtnur die Personen, die er redend ein-führt. So wird man selten in demwunderbaren Colorit eines Titiansoder van Dyks die Spur der Kunstgewahr, die man in RenibrandtsStüken fast überall cntdekt.

Nirgend ist es wichtiger die Kunstzu verbergen, als im Drama, und be-sonders in der Vorstellung desselben;

Kun

und doch wird auch von sehr gutenDichter» und Schauspielern nur garzu oft gegen eine so wesentliche Re-gel gcfchlet. Doch hiervon wird aneinem andern Orte ausführlicher ge-sprochen werden *).

Bisweilen trifft man Werke derKunst an, die so ganz Kunst sind, daßman die Natur darin vermißt. Manfühlt die Mühe und^ (wenn dieses zusagen erlaubt ist,) riecht beynahe denSchweiß, den es dem Künstler aus-getrieben hat. Man sieht gleichsamdas Recept, das er vor sich gehabthat, um einen Theil nach dem andernmit Mühe zusammen zu setzen. Die-ses begegnet den Künstlern ohne Ge-nie, die blos die Regeln studirt ha-ben, und die in dcrArbeit von keineminnerlichen Trieb unterstützt werden.Anstatt der Begeisterung, die allesleicht und fließend macht, fühlt manbcy ihren Werken die Marter, die sieausgestanden, die Thcile des Werkszusammen zu bringen.

Der beste Rath, den man demKünstler geben kann, den Zwang derKnnst zu verstehen, ist dieser: daß erzuin Entwurs seines Werks die Stun-de der Begeisterung erwarte, und zurAusarbeitung desselben sich hinläng-liche Zeit nehme. Denn gar oftmacht die Eil, daß man sich mit derKunst aus der Roth hilft, da manbcy langcrem Nachdenken natürlicheAuswege würde gefunden haben.

Kunstgriff.

(Schöne Künste.)

Ein feines Mittel den Zwek zu erhal-ten , oder eine Schwierigkeit zu he-ben, ohne eine nothwendig schei-nende Uuvollkommcnheit zuzulassen.Bcy Verfertigung eines Werks vonGeschmak können sich Schwierigkei-ten von verschiedener Art zeigen, diesich nicht alle beschreiben lassen; da-her

') Im Artikel Natur.