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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
96
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Kunst; Künstlich.

Man braucht diese Wörter oft, umin den Werken des Gcschmaks dasje-nige auszudenken, was blos von derAusübung der Kunst abhangt, dasist, was zur Darstellung des Werksgehöret, An verschiedenen Ortendieses Werks ist angemerkt worden,daß jedes Werk des Geschmaks auseinem Urstoff bestehe , der einen vonder Bearbeitung der Kmist unab-hangliehcn Werth hake, und daßdieser Urstoff durch das, was dieKunst daran thut, desto tüchtigerwerde die Einbildungskraft lebhaftzu rühren, und dadurch die War-tung zu thun, die der Künstler zurAbsicht hatte. Darum unterscheidetman sowol in dem Künstler, als inseinem Werke, die Narur von derKunst. Daß ein Mensch in seineinKopfe Vorstellungen bilde, die wcrthsind andern mitgctheilt zu werden,ist eineWürkung dcrNatur, oderdesGenies; daß er aber diese Vorstellun-gen durch Worte, oder andere Zei-chen so an den Tage lege, wie cs scynmuß, um andre am stärksten zu rüh-ren, ist dic Würkung der Kunst.

Im Grund ist sie nichts anders,als eine durch Ucbung erlangte Fer-tigkeit, dasjenige, was man sich vor-stellt oder empfindet, auch andernMenschen zu erkennen zu geben, oderes sie empfinden zu lassen. Mankann, ohne ein Mahler zn sepn, diefül'treffüchstcn Bilder in der Phanta-sie entwerfen, und sie im schönstenLicht und in den reizendsten Farbensehen; aber nur die Kunst kann solcheBilder äußerlich darstellen. Darumwerden zur Bildung eines Künstlerszwcyerlcy Dinge erfordert: Natur,oder welches hier gleichbedeutend ist,Genie, das den Urstoff des Werks in-nerlich bildet; und Kunst, um den-selben an den Tag zu bringen.

Aber auch zu dem, was blos derKunst zugehört, werden gewisse Na-

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turgabcn ersodert. Nicht jeder, dersich eine gehörige Zeitlang in Darstel-lung der Dinge geübet, und die Re-geln der Kunst erlernt hat, wird einguter Künstler. Um es zu werden,mnß er auch das besondere Kunstge-nie, das ist, die Tüchtigkeit besitzen,das, was zur Ausübung gehört,leicht und gründlich zu lernen. EinMensch hat vor dem andern natür-liche Fähigkeit gewisse Dinge, die vonRegeln und von der Ucbung abhän-gen, leicht auszuüben Dieser hatalsdann ein Kunstgenie,

Horaz sagt: man habe die Frageaufgeworfen, ob ein Gedicht (mankann die Frage auf jedes andre Werkder Kunst anwenden durch Natur,oder durch Kunst schatzbar werde:

d^srur^ sterer lzustsdile carmea i>nsrre,

dusestrum est.

Er antwortet darauf, daß beydcszusammen kommen müsse; eine Ent-scheidung, die nicht kann in Zwesselgezogen werden.

Man trifft oft Werke der Kunstan, wo nur Kunst, andre, wo nurNatur herrscht; aber solche Werkesind nie vollkommen. Man kanneine Menge hollandischerMahler nen-nen, die die Kunst in einem hohenGrad der Vollkommen!',cit besessenhaben, denen aber die Natur d,rsGenie, große Vorstellungen in derPhantasie zu bilden, versagt hat.Ihre Werke find als bloße Kunstsa-chen vollkommen; dienen aber weiterzn nichts, als zur Bewunderung derKunst. Im Gegcnthcil sieht manauch oft Dichter und Ton,etzer, diedas Genie haben, fürtreffliche Ge-danken zu bilden, ob es ihnen gleichan der Kunst fehlet, sie vollkommenauszudrüken; ihrZlusdruk ist unhar-monisch und hart.

Werke, an denen sich die Kunst ineinem beträchtlichen Grad zeiget, dar-in man aber die Natur vermißt, wer-den