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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
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betrachtet, wird Rousseau in seinemUnwillen gegen die schonen Künsteden Gey fall der Vernunft behalten;und man wird es dem Lord Littletounicht übel nehmen können, wenn erden guten Earo sagen laßt, er woll-te lieber in den Zeiten des Fabriciusund Cincinnarus gelebt haben, diekaum schreiben und lesen gekonnt, alsunter dem Augustus, da die Künsteblühcten *).

Wir sind in Ansehung der Talenteund des Knnstgenies nicht so weithinter den Alten zurüke, als man unsbisweilen zu bereden versucht. DasMechanische der Künste besitzen wir,und in manchem Theile besser alsdie Alten. Der Geschmak am Schö-nen ist bcy manchem neuen Künstlereben so fei», als bcy dem besten un-ter den Griechen. Das Genie derNeuern überhaupt ist durch die Aus-breitung der Wissenschaften und eineviel weiter gehende Kenntniß der Na-tur und der Menschen eher erweitert,als ins Kleine getrieben worden.Also sind die Kräfte, die Künste wie-der in dem schönsten Glänze zu zeigen,noch da; aber weil die Politik ihnennicht die erforderliche Aufmunterunggicbt, und versäumet sie zu ihremwahren Zwcke zu lenke», oder sie garblos zur Ueppigkeit und einer raffi-nirtenWollust anwendet: so ist auchder Künstler, wie groß man auchvon seinen Talenten spricht, nichtviel besser alsein feinerer Handwerks-mann; er wird als ein Mensch ange-sehen, derdicGroßen odcrdasPubli-cuni angenehm unterhält, und demreichen Müßiggänger die Zeit ver-treibet.

Wo nicht irgendwo eine weise Ge-setzgebung die Künste aus dieser Er-niedrigung herausreißt, und Anstal-ten macht sie zu ihrem großen Zwckezu führen, so sind auch die einzelenBemühungen der besten Künstler, derKunst aufzuhelfen, ohne merklichen

*) S. titllctons TvbtcnöespriiHc.

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Erfolg. Von der Schuld des schlech-ten Zustandcs der Sachen ist mancherKünstler, der sich gerne höher schwin-gen möchte, frey: aber durch selteneund cinzelc Bemühungen dafür rich-tet man wenig aus.

Der große Haufe der Künstler ken-net, nach dem gemeinen Vorurthcile,das die Großen nur zu sehr unter-halten, keinen andern Beruf, alsmüßige Leute zu vergnügen. Wie sollaber das glüklichste Genie, auf diesesschwache Fundament gestützt, sich indie Höhe heben können? Woher solles seinen Schwung nehmen? GroßeKräfte werden nie durch kleines In-teresse gereizt; und so bleiben die herr-lichsten Gaben des Genies, die dieNatur den Neucrn nicht mit kargererHand, als den Alten, ausgerheilethat, meist ungebraucht liegen.

Würde der Künstler nicht in dasCabinet des Regenten, wo diesernichts als ein Privatmann ist, son-dern an den Thron gerufen, um dorteinen eben so wichtigen Auftrag zuhören, als der ist, der dem Feldherrnoder dem Verwalter der Gerechtig-keit, oder dem, der die allgemeineLandespolicey besorget, gegeben wird;wären die Gelegenheiten, das Volkdurch die schönen Künste zum Gehor-sam der Gesetze und zu jeder öffentli-chen Tugend zu führen, in den: all-gemeinen Plane des Gesetzgebers ein-gcwcbct: so würden sich alle Kräftedes Genies cnrwikeln, um erwasGroßes hervorzubringen; und als-dann würden wir auch wieder Werkesehen, die die besten Werke der Al-ten vcrniuthlich übertreffen würden.Dort öffnet sich also der Weg, derzur Vollkommenheit der schönen Kün-ste führet. Will man große Künst-ler haben, und wichtige Werke derKunst sehen, so darf man nur Ver-anstaltungen machen, daß solcheWerke bcy einem ganzen Volke Auf-sehen erweken können; daß der Künst-ler von Genie Gelegenheit bekomme,F 5 sich