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Kunst sich zeiget, so ist es mehr eineWürkung seines zufälliger Weise vonVernunft geleiteten Genies, als dieAbsicht, auf die er durch die geleitetworden, die ihm das Werk aufgetra-gen haben. Also komnien die Kün-ste bey öffentlichen Feyerlichkeitcn we-nig in Betrachtung.
Dann scheinet es auch, daß manüberhaupt von ihrer Wichtigkeit undjhrerAnweudung die wahren Begriffeverloren habe. Der deutlichste Be-weis hiervon ist die sogar unüberlegteWahl der zu bearbeitenden Materien.Auf unfern Schaubühnen steht manhundertmal den Apollo, die Diana,den Oedipus, Agamemnon, und an-dere erdichtete oder uns vollkommengleichgültige Götter oder Helden,gegen einen, dem wir etwas zudan-ken haben. Man weiß dem Mahlereb to viel Dank, wenn er eine ab-geschmakte. und nicht selten aufVer-derbniß der Sitten abzielende Anek-dote aus der Mythologie mahlt, alswenn er einen edlen Inhalt gewählthalte wenn nur die Arbeit gut ist;und so denkt man auch über andereZweige der Kunst. Sogar in denKirchen. Was sind die meistenGemählde der römischen Kirche an-ders als eine andächtige Mytholo-gie, die vielleicht im Grunde nochmehr gegen die gesunde Vernunftstreitet, als die heidnische?
Um sich von dem Geiste, der gegen-wärtig die Künste mehr schwächt alsbelebt, einen richtigen Begriff zn ma-chen, darf man nur dasjenige vonunfern Schauspielen betrachten, beydein sich doch eigentlich alle schönenKünste vereinigen, die Oper. Ist eswol möglich, etwas unbedeutenderes,abgeschmakteres und dem Zweke derKünste-weniger entsprechendes zn se-hen? Und doch könnte das Schau-spiel, das igt kaum der Aufmerksam-keit der Kinder würdig ist, gerade daserhabenste und nützlichste seyn, was
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die Künste hervorzubringen im Stan-de sind
Daß die Neuem überhaupt diegöttliche Kraft der schönen Künsteganz verkennen und von ihrem Nu-tzen niedrige Begriffe haben, erhelletam deutlichsten daraus, daß sie kaumzu etwas anderm, als zum Staatnud zur Ueppigkeit gebrauchtwerden.Ihren Hauptsitz haben sie in dcnPal-lästen der Großen, die dem Volke aufewig verschlossen sind; braucht mansie zn öffentlichen Festen und Feyer-lichkeitcn, so geschieht es nicht in derAbsicht, einen der ursprünglichenBestimmnng dieser Feyerlichkciten ge-mäßen Zwck desto sicherer zn errei-chen, sondern dem Pöbel die Augenzu blenden und die Großen einiger-maßen zu betäuben, damit sie denEkel elend ansgesonnencr Feyerlich-keitcn nicht fühlen. In sofern sieda-u dienen, werden sie geschützt undgenährt; aber wo sie noch ausVey-behaltung cineF alten Herkommenszn ihrer wahren Bestimmnng sich ein-finden , bey dem Gottesdienste, beyöffentlichen Denkmälern, bey denSchauspielen, da werden sie für un-bedeutend gehalten, und jedem wahn-witzigen Kopfe, deines einfällt, sie znmißhandeln, Preis gegeben. Wennnoch hier und da auf unfern Schau-bühnen etwas Gutes gesehen wird;wenn unsrc Dichter noch bisweilenaufdcn wahrcnZwck arbeiten: so ge-schieht es doch ohne alle Mitwürkungöffentlicher Veranstaltungen. Manbetrachte mit einigem Nachdenkenunsere Gebäude und Wohnungen,unsrc Gärten, alles um uns, worandie schönen Künste ihre» Antheil ha-ben, und sage dann, ob der täglicheGebrauch aller dieser Dinge in ir-gend einem Menschen Erhöhung sci-iies Geschniaks, Erhebung seinerSinnes - und Gcmüthsarr bewürbenkönne? In diesem Gesichtspunkte
betrach-
') S. Opera.