K ü n
wohnten und verächtlichen Geschöpfemacht. Es ist im Grunde cincrleyEmpfindsamkeit, die Helden und Nar-ren, Heilige und verruchte Böscwich-ter bildet.
lind wann die Kraft der schonenKünste in verratherische Händekommt, so wird das herrlichste Ge-sundheitsmittel zum tödlichen Gifte,weil die liebenswürdige Gestalt derTugend auch dem Laster eingeprägtwird. Dann lauft der betrogeneMensch im Schwindel der Trunken-heit gerade in die Arme der Verfüh-rerin, wo er seinen Untergang findet.Darum müssen die Künste in ihrerAnwendung nothwendig unter derVormundschaft der Vernunft stehen.
Wegen ihres ausnehmenden Nu-tzens verdienen sie von der Politikdurch alle ersinnliche Mittel unter-stützt und ermuntert, und durch alleStande der Bürger ausgebreitet zuwerden; und wegen des Mißbrauchs,der davon gemacht werden kann, mußeben diese Politik sie in ihren Verrich-tungen einschränken. Schon alleininRüksichr auf die Vortheile des gu-ten, und den Schaden des schlechtenGcschmaks, sollte eine wahrhaftigweise Gesetzgebung keinem Bürger er.lauben, durch seine Häuser oder Gär-ten, wo von außen und innen anlö-tende Pracht, aber zugleich MangelderUcberlcgung,Unsclstklichkeit,Thor-heit, oder gar Wahnwitz herrscht,den Gcschmak seiner Mitbürger zuverderben. Keinem Künstler sollteerlaubt seyn seine Kunst zu treiben,bis er außer den Proben seiner Kunst,auch Proben von Verstand undrechtschaffenen Gesinnungen gegebenhat *). Es muß dem Gesetzgeber ei-ne wichtige Angelegenheit seyn, daßnicht nur öffentliche Denkmäler undGebäude, sondern jeder sichtbare Ge-genstand, selbst aller mechanischen
") Einige besondere hicher gehörige An-merkungen finden sich in dem ArtikelKünstler.
K Ü lt 79
Künste, das Gepräge des guten Ge-schmaks trage: so wie man dafür sor-get, daß nicht nur das Geld, son-dern auch die metallenen Gcrathschaf-ten, das Gepräge der ächten Hal-tung bekommen. Ein weiser Regentsorget nicht blos dafür, daß öffent-liche Feste und Feycrlichkcitcn undöffentliche Gebräuche, sondern selbstjedes häusliche Fest, jeder Privatge-brauch , durch den Einfluß der schö-nen Künste kräftiger und vortheil-haftcr auf die Gemüther der Bürgerwürke.
Vornehmlich aber verdienet dasallgemeinste und wichtigste Instru-ment unsrcr vornehmsten Verrichtun-gen, die Sprache, eine besondere Auf-merksamkeit derer, denen die Besor-gung der Wohlfahrt der Bürger an-vertraut ist. Es ist einer ganzenNation höchst nachthcilig, wenn ihreSprache barbarisch, ungelenkig, zumAusdenke feiner Empfindungen undscharfsinniger Gedanken ungeschikt ist.Wächst nicht Vernunft und guter Ge-schmak, und wird nicht ihr Gebrauchgerade in dem Maaße erleichtert,nach welchem die Vollkommenheitder Sprache gemessen wird? Dennim Grunde ist sie nichts anders, alsVernunft und guter Geschmak in kör-perliche Zeichen verwandelt. War-um sollte denn eine so gar wichtigeSache dem Zufall überlassen oder garder Verpfuschung jedes wahnwitzi-gen Kopfes Preis gegeben werden?Wenn es wahr ist, daß die so be-rühmte Akademie der Vierziger inParis blos darum gestiftet worden,daß durch die Verbesserung der Spra-che der Ruhm der französischen Na-tion sollte ausgebreitet werden, sohat der Stifter die Sache in demschwächesten Lichte gesehen. Hier warmehr als Ruhm und Schimmer zugewinnen: Ausbreitung und Ver-mehrung der Vernunft und desguten Eeschmaks für die ganze Na-