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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
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Entwürfe, dem Künstler übergeben.Der gute Regent kann ihm seine An-schlüge, dem Bürger sein wahresInteresse Werth zu machen, nur niit-theilen; er, den die Musen lieben,wird, wie ein andrer Orpheus, dieMenschen selbst wider ihren Willen,aber mit sanftem liebenswürdigemZwange, zu fleißiger Ausrichtungalles dessen bringen, was zu ihrerGlükseligkcit nörhig ist.

Also müssen wir die schonen Kün-ste als die nothwcndigen Gehülfcnder Weisheit ansehen, die für dasWohlseyn der Menschen sorget. Sieweiß alles, was der Mensch sehnssoll; sie zeichnet den Weg zur Voll-kommenheit und der nothwendig da-mit verbundenen Glükseligkcit. Aberdie Kräfte, diesen oft steilen Weg zubesteigen, kann sie nicht geben; dieschonen Künste machen ihn eben, undbestreuen ihn mit Blumen, die durchden lieblichsten Geruch den Wandererzum weitern Fortgehen unwidersteh-lieh aniokcn.

Und dieses sind nicht etwa redne-rischc Lobeserhebungen, die nur aufeinen Augenblik tauschen und wieleichter Nebel verschwinden, wenndie Strahlen der Vernunft darauffallen: es ist der menschlichen Naturgemäß; dcr Verstand würkt nichtsals Kenntniß, und in dieser liegt kei-ne Krastzu handeln. Soll die Wahr-heit würkfam werden, so muß sie inGestalt des Guten nicht erkannt, son-dern empfunden werden; denn nurdieses reizt die Vcgehrungskrafte.Dieses sahen selbst die Stoiker ein,obgleich ihre Grundmapime war, alleEmpfindung zu verbannen, und dieganze Seele blos zu Vernunft zuma-chen Dennoch war ihre Phhsto-

») Verbanne die Einbildung, sagtdcr große Marcus Anrelius, so bistdu nererrcr. In diesen Wortenliegt dcr ganze Geist dcr stoischen Phi-losophie. .

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logie *) voll von Bildern und Er-dichtungen, die durch die Einbil-dungskraft die Empfinvung rege ma-chen sollten; und keine andre Ecktewar sorgfältiger als diese, die Aus-sprüche dcr Vernunft mit ästhetischerÄraft zu beleben. Dcr rohe Menschist blos grobe Sinnlichkeit, die aufdas thierische Leben abzielt; derMensch, den der Stoiker bilden woll-te, aber nie gebildet hat, wäre blosVernunft, ein blos erkennendes undnie handelndes Wesen: dcr aber, dendie schonen Künste bilden, sieht zwi-schen jenen beyden gerade in derMitte; seine Sinnlichkeit besteht ineiner verfeinerten innern Empfind-samkeit, die den Menschen für dassittliche Leben würksam macht.

Aber wir müssen alles gestchen.Die reizende Kraft der schönen Künstekann leicht znm Verderben der Men-schen gcmißbrancht werden; gleichjenem paradiesischen Baum, tragensie Früchte des Guten und des Bö-sen, und ein unüberlegter Genuß der-selben kann den Menschen ins Verber-ben stürzen. Die verfeinerte Sinn-lichkeit kann gefährliche Folgen ha-ben, wenn sie nicht unter der bestän-digen Führung der Vernunft angc-bauet wird. Die abemhenerlichenAusschweifungen der verliebten, oberpolitischen, oder religiösen Schwär-merehen, der verkehrte Geist fanati-scher Sekten, Mönchsorden undganzer Völker, was ist er anders,als eine von Vernunft verlassene unddabei) noch übertriebene feinere Sinn-lichkeit. Und auch daher kommt diesybaritische Weichlichkeit, die denMenschen zu einem schwachen, vcr-

wöhn-

In der Philosophie der Alten wurdedas System dcr Lehren vom Ursprung,der Regierung und dem endlichenSchiksal dcr Welt und besonders desMenschen, das, was wir in Jeutsch-land gegenwärtig, mit Ausschluß derSntologic, die Metaphysik nennen,Physiologie gcncnrn.