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In diesen Anmerkungen liegt alles,was sich von dem Wesen, dem Zwekund der Anwendung der schonen Kün-ste sagen laßt. Ihr Wesen bestehtdarin, daß sie den Gegenstandenunsrcr Vorstellung sinnliche Krafteinprägen, ihr Zwek ist lebhafteRührung der Gemüther, und in ih-rer Anwendung haben sie die Erhö-hung des Geistes und Herzens zumAugenmerke. Jeder dieser drcyPunkte verdient naher bestimmt underwogen Zu werden.
Daß das Wesen der schonen Kün-ste in Eiupragnng sinnlicher Kraftbestehe, zeiget sich in jedem Werke derKunst, das diesen Namen verdienet.Wodnrch wird eine Rede zum Gedich-te, oder der Gang eines Menschenzum Tanze? Wenn verdienet eineAbbildung den Namen des Gemähl-des? das anhaltende Klingen einesInstruments den Namen eines Ton-stüks? Und wie wird ein Haus zudem Werke der Baukunst? Jedesdieser Dinge wird alsdann von denschönen Künsten als ihr Werk ange-sehen, wenn es durch die Bearbei-tung des Künstlers unsrö Vorstel-lungskraft mit sinnlichem Reize ansich loket. Der Gcschichtschreiber er-zahlt eine geschehene Sache nach derWahrheit, wie sie sich zugetragenhat; der Dichtcrnber so, wie er glau-bet, daß sie nach seinen Absichtenuns am lebhaftesten rühre. Der ge-meine Zeichner stellt uns einen sicht-baren Gegenstand in der völligenRichtigkeit vor Augen; der Mahleraber so, wie er unsre äußern und in-ner» Sinnen auf das kräftigste reizet.Wenn der gemeine Mensch die in ihmsitzende Empfindung unüberlegtdurch Gang und Gebehrdcn äußert:so giebt der Tänzer diesem Gang unddiesen Gebehrdcn Schönheit undOrdnung. Also bleibet über das We-sen der schönen Künste kein Zweifelübrig.
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Eben so gewiß besteht ihr unmit-telbarer crsterZwck in einer lebhaftenRührung. Sie begnügen sich nichtdamit, daß wir das, was wir unsvorlegen, schlechtweg erkennen, oderdeutlich fassen; es soll Geist und Herzin einige Bewegung setzen. Darumbearbeiten sie jeden Gegenstand so,wie er den Sinnen und der Einbil-dungskraft am meisten schmeichelt.Selbst da, wo sie schmerzhafte Sta-cheln in die Seele stekcn wollen,schmeicheln sie dem Ohr durch Wohl-klang und Harmonie, dem Augedurch schöne Formen, durch reizen-de Abwechslung des Licbts undSchattens und durch den Glanz derFarben. Sic lachen selbst da, wosie unser Herz mit Bitterkeit erfüllenwollen. Dadurch zwingen sie uns,uns den Eindrükcn der Gegenständezu überlassen, und bemächtigen sichalso aller sinnlichen Kräfte der Seele.Sic sind die Sirenen, deren Gesangniemand zu widerstehen vermag.
Aber diese Feßlung der Gemülherist noch einem höhcrn Zweke unterge-ordnet, der nur durch eine guteAn-wendung der Zauberkraft der schönenKünste erreicht wird. Ohne dieseLenkung zum höhern Zwek wären dieMusen verführerische Buhlcrinncn.Wer kann einen Augcnblik daranzweifeln, daß die Natur das Gefühldes sinnlichen Reizes unserm Geistnicht in einer höhcrn Absicht gegeben,als uns zu schmeicheln, oder uns bloszum unüberlegten Genuß desselben zulokcn? Wenn sich kein Mensch un-tersteht zu behaupten, daß die Naturuns das Gefühl des Schmcrzcns inder Absicht gegeben habe, uns zu quä-len: so muß man sich auch nicht ein-bilden, daß das Gefühl des Angeneh-men blos einen vorübergehenden Kü-tzcl zur letzten Absicht habe. Nurschwachen Köpfen kann es unbemerktbleiben, daß in der ganzen Natur al-les auf Vollkommenheit undWürk-samkeit abzielt. Und nur durchaus