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wenn wir nur sehen, daß er seineKräfte ganz gebraucht hat. DerWerth des Menschen muß unstreitignur aus der Große und Starke sei-ner Seclcnkräftc geschätzt werden.Dieses fühlen wir so überzeugend,daß wir uns oft nicht enthaltenkönnen, in verwerflichen Handlun-gen, die mit Kühnheit unternommenworden sind, noch etwas zu finden,das wir hochachten; nämlich dieKühnheit selbst, in sofern sie, eineWürkung des innern Gefühls seinerKraft ist.
Darum gehöret das Kühne unterdie größten ästhetischen Schönheiten,weil es Bewunderung und Hochach-tung erwekt: zugleich aber hat esnoch den höchst schatzbaren Vorzug,daß es auf die Stärkung und Erwei-terung unsrer innern Kräfte abzielt.Wie man unter Furchtsamen Gefahrlaust furchtsam zu werden: so wirdmau unter kühnen Menschen auchstark. Wenn ein Künstler von ho-hem Geist und großem Herzen einenStoff bearbeitet, so wird man inGedanken und Gesinnungen eineKühnheit bemerken, die uns gegendie Höhe heranzieht, auf der wir denKünstler sehen.
Diese Kühnheit äußert sich sowolin derVeurthcilung, als in den Em-pfindungen. Menschen von vorzüg-lichem Verstand und ausnehmenderBeurtheilungskraft, sehen bey verwi-keltcn und schweren Umständen vielweiter, als andre; sie cntdekcn dieMöglichkeit eines Ausweges, die an-dern verborgen ist, und dieses gicbtihnen den Much, Dinge zu versuchen,wo minder scharfdenkende nichts wür-den unternommen haben. So gehtes auch in Sachen, die auf Gesin-nungen und Empfindungen ankom-men. Ein Mensch von großer Sin-nesart, cntdeket in schweren leiden-schaftlichen und sittlichen Angelegen-heiten, in seinen Empfindungen Aus-wege, die jedem andern verborgen
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sind, und darum unternimmt er Din-ge , die kein anderer würde gcwagethaben.
Es gicbt also eine Kühnheit desGenies, die sich in Erfindung außer-ordentlicher Mittel zeiget, wodurchein Unternehmen ausgeführt wird,das gemeinem Genien unmöglichscheinet. Diese Kühnheit des Genieshat Pindar besessen, der in vielenOden einen Schwung nimmt, vordem sich jeder andre würde gefürchtethaben. Er hat den Much gehabt ge-meine Dinge in dem höchsten Ton derfeyerlichen Ode zu besingen, und istdarin glüklich gewesen. Da hält ihnHoraz auch für unnachahmlich. Eswar auch etwas kühnes, daß Ovi-dius unternommen, den ungeheurenMischmasch der Mythologie in denVerwandlungen im Zusammenhangvorzutragen. Aber er hat sich mehrdurch Spitzfindigkeit und List, alsdurch Genie herausgeholfen. DieseKühnheit dcs>Gcnics zeiget sich auchiu der Baukunst, da große Meisterunmöglich scheinende Dinge glüklichausführen. So war es ein kühnesUnternehmen des Fomana, den be-kannten Obeliskus unter Pabst Six-tus dem V aufzurichten.
Kühnheit des Urtheils zeiget sich inglüklichcr Behauptung großer, aberallen Anschein gegen sich habenderWahrheiten; wovon uns Rousseauso manches Bcyspiel gegeben hat.Daher entstehen also kühne Gedan-ken, dergleichen wir bey Pope undHaller nicht selten antreffen.
Kühnheit des Herzens zeiget sich inedler Zuversicht auf die Stärke seinerGesinnungen und Begehrnngskräfte.So zeigte Thcmistokles die höchsteKühnheit, daß er zu der Zeit, daXerxcs einen Preis auf seinen Kopfgesetzt hatte, sich an den persischenHof zu begeben und seine eigencPer-son seinem ärgsten Feind in die Hän-de zu liefern wagte. Von dieserKühnheit des Herzens sind tausend
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