K r a K r «
K r a n z l e i st e.
(Baukunst.)
Ein großes wesentliches Glied andem Kranz eines Gebäudes, welchesin der ersten Figur des vorhergehen-den Artikels mit; bezeichnet ist. Sei-ne untere Fläche wird das Kinn ge-nannt, und ist etwas ausgekehlt, wiein der Figur zu sehen ist, damit dasWasser abtropfe. Dieses Glied wirdinsgemein ganz glatt gemacht;, dochfindet man es bisweilen, wie dieSäulen, mit Krinncn ausgehöhlt, wiean dem Porricus des Tempels desM. Aurel. Antoninns und der Fau-srina in Rom, und an dem Gebälkeüber den drei) Säulen, die daselbstim Oampo vsccino stehen.
Von dem Abtropfen des Wassers,welches durch dieses Glied haupt-sächlich soll befordert werden, hat esvcrmuthlich den franzosischen NamenI^armier bekommen; und eben daherist die Gewohnheit entstanden, andem Kinn der Kranzleisten in derdorischen Ordnung Zierrathen an-zubringen, die man Wasscrtropfennennt.
K r e u z g a n g.
(Baukunst.)
Ein bedcktcr Gang um einen Hofherum, welcher durch vier aneinan-derstoßende Flügel eines großen Ge-bäudes eingeschlossen wird. Der-gleichen Kreuzgänge sind fast allezeitbei) altenKlostcrn. Sie können demGebäude ein schönes Ansehen undauch große Bequemlichkeit geben, daman troken um dasselbe herum ge-hen kann. In Rarhhäliseru, Vor-,sen und dergleichen Gebäuden, soll-ten sie allezeit angebracht seyn, da-mit sie bei) schlechtem Wetter zumSpatzierengehen konnten gebrauchtwerden.
Sie werden entweder als Säulen,landen , oder als Dogenjrellnng,
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oder auf die schlechteste Art gemacht,da man die Pfeiler gar nicht verziert.An einigen Orten sind die .Bogen mitFenstern beschlossen, damit man, oh-ne den Wind zu fühlen, darin spa-yiercn könne. Es ist nicht wol ab-zusehen, warum sie in neucrn Ge-bäuden seltener, als ehedem gesche-hen, angebracht werden, da sie so-wol die Pracht, als die Bequemlich-keit vermehren.
K r i n n e n.
(Baukunst.)
Schmale halbcylindrische Vertiefun-gen des Saulenstammes, die senk-recht von dem Ablauf des Stammesbis an den Anlauf herunter gehen.Man nennet sie insgemein auch inDeutschland mit dem franzosischenNamen Canclüren. Winkelmannnennet sie unrichtig Streifen *), weildieses Wort immer einen Ring bedeu-tet, der um einen runden Körper ge-legt ist.
Man findet die Krinncn schon anden «Kesten dorischen Säulen, denensie anfänglich eigen gewesen zu seynscheinen. Man hat sie aber hernachauch an andern Säulen angebracht.Es ist ein seltsamer Einfall des Vi-truvius, daß sie Falten vorstellensollen: da man nicht absehen kann,warum dseSaulcn mit einem Gewandsollten behängen werden. Sie gebendem Saulenstamm ein zierliches An-sehen, und vermehren das Gefühl desReichthums- Die Anzahl der Krin-ncn um den Stamm herum belauftsich insgemein von vier und zwanzigbis auf dreyßig, und der Steg, oderdas Glatte des Stammes zwischenzwey Krinncn, wird ohngefchr denvierten Theil so breit gelassen, alsdie Breite einer Krinne betragt, welchedadurch ohngefchr auf den fünften
E z Theil
*) Von der Baukunst der Alten S. 21«