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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
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Aber nun fangt er an sich zu entwi-kein, und auf eine sehr natürlicheund völlig ungezwungene Weife.Achilles hat einen Freund, der so ge-fallig und nachgebend, als er trotzigund eigensinnig ist. Dieser erhaltvon ihm die Erlaubniß, sich der be-drängten Griechen anzunehmen; aberer fällt im Streit. Und nun wird derheftige Achilles durch den Verlust sei-nes Freundes auf dasAeußerste^auf-gebracht; jeder Nerve seiner Seelewird zur Rache gespannt; und itztmacht er den Untergang der Troja.ner, wenigstens den Tod des hclden-müthigen Hektors, des vornehmstenBeschützers der Angegriffenen, zu fei-ner eigenen Angelegenheit. Er kehrtwüthcnd in den Streit zurükc, undihm gelinget es itzt, was er vorherso lange vergeblich gesucht hatte; ererlegt den Hektor, die Griechen be-kommen die Oberhand, und dicHaupt-schwierigkeitcn sind gehoben.

Eigentlich besteht die mechanischeVollkommenheit der Epopöe und desTrauerspiels eben darin, daß gleichvom Anfang der Handlung der Kno-ten allmahlig geknüpft, und nachund nach immer fester werde; daßdadurch eine allgemeine Anstrengungaller würkcndcn Kräfte entstehe, aufder einen Seite die Schwierigkeitenzu vermehren, auf der andern siezu überwinden, bis endlich aus na-türlichen, schon in der Handlungoder in dem Charakter der Personenliegenden, aber vorher nicht genug-sam erkannten Kräften, der Aus-schlag sich auf die eine Seite wendet,wodurch die ganze Handlung beendi-get wird.

Diese Behandlung des Knotenshat dem Dichter Gelegenheit gege-ben, die handelnden Personen, jedennach seinem Charakter und nach sei-ner Sinnesart, in vollem Lichte zuzeigen, seine Verstandes-und Ge-müthskräfte in völlige Würkung zusetzen, und dadurch zu zeigen, wie

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merkwürdige Begebenheiten aus demVerhalten entstehen.

Man stehet hieraus, wieviel bcyder Epopöe und dem Trauerspiel aufden Hauptknotcn ankommt; wie da-durch die ganze Handlung interessan-ter wird; wie alle würkende und ge-genwürkcnde Kräfte auf einen Punktvereiniget werden; wie jede handeln-de Person gereizt wird, ihre Kräftezusammen zu nehmen; wie endlichdadurch die nächsten Ursachen sichauf eine natürliche Weise zu Bcwür-kung einer merkwürdigen Begeben-heit vereinigen.

Das Genie des Dichters findet indem wolgeknüpftcn Knoten den Ge-genhalt, an den es sich stemmet, umalle seine Kräfte aufzubieten und ih-nen den Nachdruk zu geben. OhneReizung, die von Hindernissen her-kommt, zeiget sich das Genie nie inseiner Starke. Je mehr Schwierig-keit der Dichter in der Verwiklungder Sachen findet; je stärker stren-get er sich an, um sie zu übersteigen.Und darum ist man oft dem starkverwundenen Knoten die glänzend-sten Würkungen des poetischen Ge-nies schuldig. Wenn der Knoten auszufälligen Ursachen entstehet, und sichauch so auflöset, so wird die ganzeHandlung weniger interessant. Wiesehr würde nicht das Interesse derIlms dadurch geschwächt werden,wenn Achilles Krankheit halber sichvon den Griechen getrennt; oderwenn cin willkührlicher göttlicher Be-fehl, ein Orakelspruch, ihn wiederzum Heer gebracht hätte? Je ge-nauer die Verwiklung und Auflösungaus dem Charakter der Personen,oder aus der Natur der Sachen selbstentsteht, jemehr gewinnt das In-teresse der Handlung.

In der Noachide kommen mancher-lei) Schwierigkeiten in der Haupt-Handlung vor, die, da die ganze Sa-che eine unmittelbare Veranstaltungder Allmacht war, sich durch Wun-der-