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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
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derwerkc hatten heben lassen; aberder Dichter verwarf diesen uninteres-santen Weg. Denn ein Wunder-werk höret auf interessant zu seyn»so bald man an den Begriff der All-macht gewohnt ist. In dieser Epo-pöe war es darum zu thun, auf dereinen Seite die gottlose Welt durchWasser zu vertilgen, auf der andernden Stamm des menschlichen Ge-schlechts in der kleinen Familie desNoah zu retten.

Hier zeigten sich Schwierigkeitenin der Sache selbst, und andre wußtederDiehtcr auf eine höchst natürlicheArt zu knüpfen und wieder aufzulö-sen. Wie konnte die göttliche Ge-rechtigkeit zu einem so entsetzlichenSchluß gebracht werden? Diese Fra-ge wird durch die abscheuliche Ver-derbniß aller damaligen Völker, dieder Dichter höchst lebhaft schildert,anlgelöst. Wie konnte die Welt imWasser untergehen? Der Dichterhatte alles auf einen Wink der All-macht durch Wunder können gesche-hen lassen; aber dicsesWundcrwärenicht wunderbar genug gewesen;weit wunderbarer und erstaunlicherwird die Sache aus natürlichen Ur-sachen , aus der Zerrüttung, die einKomet verursachet. Eine neue schonin der Sache liegende Schwierigkeit:wie sollen die Noachiden im Standeseyn die Arche zu bauen? Sie vonEngeln bauen zu lassen, wäre nichtso wunderbar, als die schöne Erfin-dung, eine Nation ruchloser Riesen,der Noachiden ärgste Feinde, durchSchreien zu zwingen, das schwersteder Arbeit zu thun. Die Familie desNoah besteht nur aus Söhnen, unddoch soll ein neues Geschlecht derMenschen durch sie fortgepflanzt wer-den. Ein neuer Knoten, den derDichter selbst, aber auf eine höchstnatürliche Weise knüpfet und wiederauflöset. Nach der ganzen Lage derSachen war es unvermeidlich, daßdie Noachiden und Siphaitcn sich

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von einander vcrlohren, und daßbeyde von der übrigen Welt abgeson-dert lebten. Aber auch auf eine na-türliche, obgleich bcwundrungswür-dige Weise fanden sie sich wieder,und die Söhne des Noah bekamenFrauen. Diese reizenden Sccncnwaren matt, wenn der Dichter nichtdie Absonderung der bcydcn Familienso natürlich gemacht hatte.

Veyspielc von der andern Art desKnotens, wo die Schwierigkeit darinliegt, die Menschen zu außerordent-lichen Entschließungen zu bringen,finden wir im Mcßias an mehrcrnOrten. Wer bewundert nicht denCharakter eines Philo, eines Cai-phas, eines Judas Jschariot, ausdenen sich die Hauptuntcrnchmungenbegreifen lassen? Und auch unserGeßner hat in dem Tod Abels denUrsprung und allmahligcn Wachs-thum des Hasses Cains gegen seinenBruder, worin der Hauptknotcn liegt,auf eine meisterhafte Weise geschil-dert. Dahin gehört auch die Knü-pfung des Knotens in der Jphigcniain Aulis des Euripides. Es ist sehrschwer zu begreifen, wie ein Vaterseine geliebte Tochter mit Vorsatz auf-opfern soll. Wer aber alle Umstände,die in der Sache vorkommen, und denCharakter, den der Dichter dem Aga-memnon gicbt, wol in Betrachtungzieht, dem wird die Sache begreiflich.

Gegen die Behandlung dieser Artdes Knotens wird doch im Trauer-spiel nicht selten gefehlt. Wir sehenbisweilen gute und böse Handlungenin einer fast unbegreiflichen Größe,ohne die Ursachen dieser Größeweder in dem Charakter, noch in denUmständen deutlich zu cntdeken. Eineaußerordentliche Entschließung, dienicht außerordentliche Veranlassunghat, nicht durch einen großen Kampfstarker Leidenschaften entstände,! ist,verliert das Interessante. Was mehrmit Schwierigkeiten verbunden ist,macht keine große Würknng.

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