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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
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rigkeiten, und crfodert einen Mannvon viel Genie. Man kann z.B. vor-aussetzen, daß bcy der dritten Phi-lippischen Rede des Cicero jeder Zu-hörer schon einen Abscheu vor demAntonius habe und geneigt scy, ihnfür einen Feind des Staats zu erklä-ren. In solchen Umstanden muß derRedner den Vorstellungen schlechter-dings eine neue Wendung geben,und darin einen Knoten oder eineAufhaltung suchen, daß er seinen Ge-genstand in einem noch nicht bemerk-ten Lichte zeige. Hat er dieses ver-geblich versucht, so bleibt ihm nichtsübrig, als blos pathetisch und affckt-voll zu scyn.

Diese Arten des Knotens kommennicht nur in der Hauptsache vor, inwelchem Falle man sie Hauptknotennennen kann, sondern auch in cinze-len Thülen; aber ihrer Natur nachfind sie immer einerlei). In derJlias kommen hundert einzele Bege-benheiten vor, deren jede ihren beson-deren Knoten von der einen oder derandern Art hat; und eben diesesmacht das Gedicht so durchaus in-teressant.

In Ansehung der Knüpfung undAuslosung des Knotens kommt dieHauptsache darauf an, daß alle wür-kende Ursachen, es sey daß sieSchwierigkeiten veranlassen, oder sieüberwinden, natürlich und wahr-scheinlich scycn. Die Schwierigkei-ten müssen nicht willkührlich erdichtetwerden, wo keine sind; sie müssen kei-ne große Hinderung machen, wo esleicht ist, ihnen aus dem Wege zu ge-hen; große Würkungen müssen nichtaus kleinen Ursachen entstehen, es scydenn, daß man deutlich sehe, wie die-se kleinen Ursachen außerordentlicheStarke bekommen haben. Da mußvorzüglich sich der Verstand und diescharfe Bcurthcilung des Künstlers,seine tiefe Kenntniß des Menschenund menschlicher Dinge zeigen. Ermuß nichts geschehen lassen, ohne

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uns deutlich merken zu lassen, daßes nothwendig hat geschehen müssen,oder daß es aus der Lage der Sachenund dem Charakter der Personen na-türlich erfolget. !Es ist der MüheWerth hierüber einige besondere Bey-spicle, zur Erläuterung dieser wich-tigen Sache, zu betrachten.

Das vornehmste Beyspiel eineswolgcknüpftcn und glüklich ausgelo-sten Knotens, haben wir in der Jlias.Der Hauptknoten ist die Trennungdes Achilles von dem Heer der Grie-chen. Sic entsteht auf eine sehr na-türliche Weise, aus den Zwistigkcirenzwischen dem hochmüthigen und ge-bieterischen Oberbefehlshaber Aga-memnon und dem äußerst hitzigen,trotzigen und höchsteigcnsinnigenAchilles, auf dessen Tapferkeit dasmeiste ankam. Die Entzweyung ent-stehet aus einer natürlichen Veran-lassung, wird, dem Charakter der Per-sonen gemäß, auf das äußerste ge-trieben ; keiner will nachgeben, undAchilles, der dem Range nach weitunter dem Agamemnon ist, trennetsich von dem Heere. Dadurch wer-den die Griechen so sehr geschwächt,daß sie nichts mehr gegen die Troja-ner vermögen. Nun entsteht dieHauptschwierigkcit. Auf der einenSeite verbindet sie Ehre, National-stolz, heftige Feindschaft, den ihnenangcthancn Schimpf durch TrojasUmsturz zu rächen; auf der andernSeite zeiget sich ihr Unvermögen dasVorhaben auszuführen. Sie versu-chen das Acußersie: aber die Gefahrwird immer großer; jedermann er-kennet, daß Achilles wieder versöhntwerden, und zum Heer zurükkehrenmüsse. Aber sein unüberwindlicherZorn und Eigensinn vereitelt alle Be-mühungen, die man zur Aussöhnunganwendet. Man hat das Acußersteversucht; die Gefahr des Untergan-ges der Griechen ist nahe; und wiesollen sie sich nun heraushelfen?Hier scheint der Knoten unauflöslich.

D 5 Aber