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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
53
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bewiesen, daß das deutsche Genieauch hierin andern nichts nachgebe.

Aber das Vergnügen, das einigeKnnsirichtcr über diese neue Probendes feinern deutschen Witzes empfun-den haben, hat sie zu weit verleitet.Sic haben nach dem Vcyspiel einigerfranzösischen Kunstrichter diesem Klei-nen einen so großen Werth bcygc-lcgt, daß es scheinet, sie halten esfür die vornehmste Gattung, wenig-stens in der Dichtkunst. Sic habensich nicht geschcuct, einige von un-fern-Dichtern, die in dem Kleinenhier und da glüklich gewesen sind, un-^ ler die größten und verdienstlichstenMänner Deutschlands zu zahlen.Das heißt eben so viel, als einenguten Vcrguldcr, oder sogenanntenStaffirer, zum großen Baumeistermachen. Es zeiget einen großenMangel des Verstandes an, wennman Dinge schätzen will, ohne dasMaaß oder Gewicht, wonach siegeschätzt werden sollen, zu kennen.O Wir lassen gerne dem Kleinen seinenWerth, und erkennen, daß selteneTalente dazu gehören, darin vorzüg-lich glüklich zu seyn. Wir sind denKünstlern im Kleinen für die Anmu-thigkeit des Sonnenscheines, den siebisweilen über unfrc Gemüthcr ver-breiten, nicht wenig verbunden; dennauch die Tugend könnte die Seeleverfinstern. Aber wir können sie dar-um nicht für die großen Männer hal-ten, denen wir eine männliche Artzn denken, oder die Standhaftigkcitund Rechtschaffenheit unsrcr Gesin-nungen zu danken haben. Diese ver-ehren wir als unsre Lehrer und Vä-ter; jene lieben wir als unsre jüngereBrüder, die uns bei) müßigen Stun-den manches Vergnügen machen.

In der Bearbeitung erfodcrt dasKleine großen Fleis und den fcinestcnGeschmak, weil der geringste Fehlerdarin sichtbar wird, den man beymGroßen Übersicht. Die Künstler kön-nen überhaupt den ausnehmende»

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Fleis der holländischen Mahler fürdas Kleine zum Muster nehmen.

Knaufs*). Capiteel.

(Baukunst)

Aer oberste Theil einer Säule, odereines Pfeilers, der den Kopf, oderdas oberste Ende derselben vorstellt.Wie alle wesentliche Theile eines zier-lichen Gebäudes in der Natur derSachen ihren Ursprung haben, wo-von wir anderswo Beyspicle gegebenhaben**), so hat es auch der Knauff.Vcrmuthlich hat man, noch che dieschöne Baukunst entstanden ist, stattder Säulen Bäume genommen, dieman zu obcrst am Stamme, wo dieAcstc anfangen, abgeschnitten. Andieser Stelle sind die meisten Bäumeetwas knotig und dikcr, als am übri-gen Stamm, und darum hatten auchdie ersten ungekünstelten Säulen ih-ren Knauff. Die corinthischc Säu-le, deren Knauff mit Blättern aus-geziert ist, hat ihren Ursprung vcr-muthlich im Orient gehabt, wo manPalmbäume zu Säulen gebrauchthat. Denn an Viesen Bäumen wach-sen am obersten Ende des Stammesgroße Blätter. Aber auch ohne die-se natürlichcVeranlassung, der Säu-le einen Knauff zu geben, würde dasGefühl, sie zu etwas Ganzen zuma-chen, ihr einen Kopf gegeben ha-ben f).

Darum findet man in den ältestenägyptischen Ueberbleibseln der nochsehr rohen Baukunst, in den erstenD z rohc-

5) Der Ursprung dieser Benennung istmir unbekannt. Vielleicht kommtsie von dem nicdersstchsischen WorteRnul>, Rnubbe, welches ein etwasausgewachsenes Stück Holz bedeutet.Der Knauff stellt allerdings eine ander Höhe eines Baustammcs ausge-wachsene knotige Vcrdikung desselbenvor.

*») S. Gebcklk.f) S. Ganz.