zz Kle
Art legt er männliche Würde, Verän-dern weibliche Annehmlichkeit bey.Diese Vergleicht»^ hätte ihn ans diedritte Art führen sollen, die er mitAnmnthigkcit nnd Artigkeit des kin-dischen Alters hätte vergleichen kön-nen. Vielleicht hat ihn das Ansehendes Aristoteles verhindert, diese Artzu bemerken, weil dieser philosophi-sche Kunstlichter sagt, daß das Klei-ne nicht schon seyn könne. Fürnehm-lich hat die Natur nur dem GutenSchönheiten beygelegt, damit es unsdesto sicherer reize; aber sie findet sichauch schon in derBlüthe des Guten.Die Schönheit der Blumen ist blosAnnehmlichkeit, und so ist die Schön-heit des Kindes.
Zn dieser Gattung rechnen wir al-les blos Angenehme, das sonst zukeinem andern Genuß bestimmt ist,keine Begierde reizt, keine von denwürksamen Nerven der Seele rühret,nichts als eine sanfte in sich selbstbegranzte Empfindung erwcket. Die-ses ist also das Kleine, dessen sichauch die Künste, als Nachahmerin-nen der Natur bedienen.
In der Dichtkunst rechnen wixhie-hcr, das was die anakreontische Artunschuldiges hat; alle kleine auf un-schuldigen Scherz und Vergnügen ab-zielende Lieder; in der Mahlert!) dieBlumen und Fruchtstüke, artigeLandschaften, Vorstellungen gesell-schaftlicher Ergötzlichkciten n. d. gl.;in der Musik alles blos Angenehmeund sanft Einwiegende, das sonstkeinen leidenschaftlichen Charakterhat, und verschiedene der gesellschaft-lichen Tanze von eben diesem Charak-ter; in der Baukunst alles, was zurAnnehmlichkeit unsrer Wohnungenveranstaltet wird. Diese ganze Gat-tung hat keinen andern Zwek, alsAnmulhigkeit und sanftes Vergnü-gen. Sie ist weniger schätzbar, alsdie höhcrn Arten des Schönen, aberdarum nicht zu verachten. Man mußsie zur Erholung des Gemüths brau-
K l e
che», das immer gewinnt, wenn es,anstatt in völliger Unthatigkeir zuseyn, angenehme Cindrüke von sanf-ter Art genießt. Das Große dienetzur Erwekung, das Kleine zur Be-sänftigung der Leidenschaften; jeneszur Stärkung, dieses zur Milderungdes Gemüths. Ehemals hatten dieGroßen in Rom die Gewohnheit, ganzkleine Kinder von schöner Bildung,die n-ikend in ihren Zimmern spielten,zu halten, um sich an der kindischenAnmuthigkeit zu ergötzen. Solchesanfte, unschuldige Gegenstände mö-gen doch bisweilen die durch so man-che Unruhe und Sorge halb verwil-derten Gemüther dieser Herren derWelt, auf eine Zeitlang besänftigethaben.
Es gehört ein besonderes Genie 'dazu, das Kleine in den Werken desGeschmaks gut zu behandeln, undman hat vielleicht in jeder andernGattung mehr vollkommene Muster,als in dieser. Wer nicht einen fei-nen zärtlichen Geschmak, eine für je-den sansten Eindruk empfindsameSeele hat, würde sich vergeblich indieses Feld wagen. Ernsthafte, nachgroßen Gedanken und Empfindun-gen strebende Seelen, müßten in ei-ner außerordentlichen Gemüthsruheseyn, um das Schöne im Kleinen zuerreichen. Es würde einem MichaelAngelo leichter gewesen seyn ein Ge-mählde vom Weltgericht, als einschönes Blumenstük zu verfertigen.Doch sehen wir au dem Beyspiel desgroßen Shakcspear, daß diese bcy-dcn Gemüthslagcn, die zum Großenund zum Kleinen tüchtig machen,bisweilen mit einander abwechseln.Man hat ehedem geglaubt, daß dasGenie der Deutschen für die kleineSchönheit zu roh sey; aber diesenVorwurf haben sie durch die Thatvon sich abgelehnt. Schon -Hage-dorn hat fürtreffliche Lieder in dieserGattung; nach ihm haben Gleim,und neulich Isjcobi und einige andere
bewie-
MS» HMDS?