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zu geben. Der Künstler muß jedenkleinern Theil in der größten Klar-heit denken, und hernach für das,was er so denkt, einen hellen Aus-druk suchen. Wer sich nicht jedesSchritts, dcn er thut, bewußt ist;wer nicht auf jeder Stelle seinesWerks genau sagen kann, was dasseyn soll, was er da zeichnet, odersagt; wem dieser Gegenstand nichtwie cin wol erleuchtetes Bild vor Au-gen liegt: der lauft allemal Gefahretwas unverständliches hinzusetzen.Nur die Hellesten Köpfe können guteKünstler seyn; die sich vey jeder nureinigermaßen wichtigen Vorstellungverweilen, um sie bestimmt und invölligem Lichte zu fassen. JederMensch von einigem Genie, und einwahrer Künstler mehr als andre,beobachtet alles, was ihm vorkommt,wird mehr oder weniger davon ge-rührt, macht seine Betrachtungendarüber. Der große Haufe, der sichvon seinen eigencnVorsiellungen, oderEmpfindungen nie Rechenschaft gicbt,überlaßt sich dabey dem zufälligenGenuß dessen, das ihm vorkommt taber der nachdenkende Mensch willwenigstens das Vornehmsie davongenau bemerken; er verweilet dabey,fragt sich selbst, was das ist, das ersieht; wohin das zielt, was erdenkt; woher das kommt, was erempfindet. Daraus entsteht die Be-mühung alles klar zu sehen; er ver-läßt keine Vorstellung eher, bis ersie genau gefaßt hat. Scheinet sieihm wichtig, so giebt er sich die Mü-he länger dabey zu verweilen, sie vonmchrern Seiten zn betrachten, sie zubearbeiten, und ruhet nicht eher, blser sie in der höchsten Klarheit undEinfalt gefaßt hat.
Wer so mit seinesi eigenen Gedan-ken verfahrt, der bekommt das Lichtin seiner oseclc, ohne welches er an-dere nicht crlenchtcn kann. Dasgrößte Genie ist hiezu nicht hinläng-lich, wenn es nicht vorzüglich mit
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dem, was man in? engsten SinneVerstand und Urtheilskraft nennt,verbunden ist. Ohne lang anhalten-de Uebung entwikcln sich die Anla-gen, die man von Narur dazu be-kommen hat, nicht. Darum ist dieErlernung der Wissenschaften, oderin Ermanglung dessen, ein beständi-ger Umgang mit den hellesten Kö-pfen, für den Künstler eine höchst-wichtige Sache. Der Verstand istvon allen Eigenschaften der Seele un-streitig die, welche sich am langsamstenentwikelt. Darum kann man nichtzuviel dafür thun. Der größtcThcilder Menschen behilft sich Lebenslangmit confusen Vorstellungen.
Hat der Künstler sich selbst klarerVorstellungen versichert, ist er sichdessen, was er zeichnen, oder aufandre Weise vorbringcn'will, in deinMaaße bewußt, daß er sagen kann,was es eigentlich vorstellen soll, zuwelcher Art der Dinge es gehöret,und was er damit auszurichten ge-denket; alsdenn kann er aufdenAus-druk und die richtige Zeichnung derSache denken.
Dieses kann keine große Schwie-rigkeit mehr haben, nachdem maneinmal auf das bestimmteste weis,was man sagen oder vorstellen will.Doch muß jede einzele zusammenge-setzte Vorstellung mit eben der Vor-sicht behandelt werden, wie dasGanze. Man sieht Gemählde vonhollandischen Meistern, wo nicht nurjede Gruppe, sondern jede Figur,auch wol jeder einzele Theil einer Fi-gur in Zeichnung, Perspektiv, Hal-tung und Colorit eben so vollkom-men, als ein ganzes Gemählde be-handelt worden. Dadurch bekom-men solche Gemählde auch in den klci-nesien Theilen die höchste Klarheit.So muß man auch in andern Kün-sten verfahren. Der Redner mußjede einzele Periode besonders bear-beiten, so wie die ganze Rede; nurmit dem Unterschied, daß das Einzele
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