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nicht die höchste absolute Klarheit,sondern den Grad derselben habenmuß, der sich für den Ort und dieStelle und die Wichtigkeit der Sacheschiket. Nach diesen Verhältnissenmuß das, was man zu sagen hat,durch mehr oder weniger allgemeine,oder durch mehr oder weniger beson-dere individuelle Begriffe ausgedrüktwerden. Je allgemeiner die Begriffeund Ausdrüke sind, sc weniger rela-tive Klarheit bekommt der Gedanken,'und der besonderste Ausdrnk, derblos auf einen cinzclen Fall zu gehenscheinet, hat die höchste relative Klar-heit. So hat, um nur ein Veyspiclzugeben, die Acsopische Fabel, insofern sie einen einzeln Fall erzählt,eine unendlich größere Klarheit, alsdie in allgemeinen Ausdenken, unddurch allgemeine Begriffe vorgetra-gene Lehre, die darin enthalten ist.
Daraus folgetüberhaupt, daß derrichtige Grad der relativen Klarheiterst alsdcnn erhalten wird, wennnach Maaßgebung des Lichts, darineine Vorstellung stehen soll, mehroder weniger allgemeine Begriffeund Ausdrüke zur Vorstellung derSache gebraucht werden. Wennman z.B. sagt, Saß Sie Zeit SieTrauer über einen verstorbenenGemahl linserr, so hat der Gedan-ken, weil er in allgemeinen Ausbrü-ten abgefaßt ist, sehr viel wenigerrelative Klarheit, als wenn man mitLa Fontaine sagt:
Lnrre I» veuve ll'une snnee
llü I» veuve ci'une journec:llitkcrcnce ell grsnlle
Und wenn man sagt, nach einigerZeit der Trauer haben sich die ver-liebtem Vorstellungen von allerhandArt wieder eingefunden: so hat die-ser Gedanken wegen der allgemeinenAusdrüke bey weitem nicht die Klar-heit, als wenn eben dieser Dichtersagt:
In der Fabel Is chune Veuve.
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Hat der Künstler den Gedankendeutlich gefaßt, so suche er vor allenDingen ihn in der höchsten Einfaltzu sehe», und lasse ihm nichts, alsbasWefeutliche. Erst, wenn er ihnin dieser einfachen Gestalt gefaßt hat,kann er, nach dem Bedürfnis derSache, Nebeubegi issc hineinbringen,tind genau in Acht nehmen, daß diesenicht Heller als die wesentlichen her-vorleuchten. Man läuft allemalGefahr einem Gedanken seine Klar-heit zu benehmen, wenn man zu vielNcbenbegrisse einmischt; darum mußnur das Nöthigste da seyn, und alleNebensachen müssen mehr durch all-gemeine, als durch besondere Begriffebezeichnet werden.
Auch die Kürze des Ausdruks,wenn nur alle wesentliche Begriffe dasind, befördert die Klarheit, weil da-durch die Aufmerksamkeit weniger ge-thcilt wird. Nach der Einfalt desGedankens, ist die Kürze des Aus-druks die schätzbarste Eigenschaft des-selben **).
Hiernächst hat man auch auf dieAnordnung und Wendung cinzelerGedanken zur Beförderung der Klar-heit zu denken. Aus eben deusclb.igcnBegriffen, in denselben Ausdrnk ein-gekleidet, kann ein mehr oder wenigerHeller Gedanken entstehen. Es lassensich darüber keine besondere Regelngeben. Wem daran gelegen ist, diesenThcil derKunst recht zustudiren, demrathen wir, bei) jedem Gedanken vonbesonderer Klarheit, den er bey großenSchriftstellern antrifft, Versuche zumachen, die Begriffe anders zu stel-len, um zu fühlen, was die Anord-nung zur Klarheit thut. Billig soll-ten die Lehrer angehender Redner ihre
Schüler
*) In der Fabel >» s«un«Veuvs.»*) S. Kürze.