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sonders, den Grad der Klarheit, derihm zukommt. Ein Werk, das imGanzen nicht Klarheit genug hat, istdey allen Schönheiten cinzelerTheilc,als eine Sammlung von Trümmernanzusehen. Welcher wahre Kennerwird ein Gemählde, das im Ganzennichts verstandliches vorstellt, dar-um, daß hier und da eine schone Fi-gur, oder eine schone Gruppe konnteherausgeschnitten werden, für einschönes Gemählde ausgeben?
Aber wie muß man die Klarheitdes Ganzen beurthcilen? und woraufhat der Künstler zu sehen, um sie zuerreichen? Was ist in einem Werkder schönen Künste Klarheit desGanzen?
Am leichtesten ist diese Frage beyeinem Gemählde zu beantworten,und von dieser Gattung kann dieAncwort auch aufWcrke andrer Gat-tungen angewendet werben. Die ho-razischc Maxime, ut plökur-, poelis,kann auf alle Künste ausgedehnt wer-den. Also, wenn zeiget ein Gemähl-de Klarheit im Ganzen?
Unstreitig alsdenn, wenn ein ver-ständiger Bcurthciler seinen Inhaltaus dem, was vor ihm liegt, bestimmterkennt; wenn er nach hinlänglicherBetrachtung des Werks seinen In-halt erzählen, das Hauptinteresse,worauf alles ankommt, bemerken,jeden Hauptthcil nennen, und sagenkann, wie er mit dem Ganzen zusam-menhängt, und was er zum Ganzenwürkt. Istach diesen wenigen Be-griffen ist es leicht, jedes Werk inAnsehung der Klarheit des Ganzenzn beurthcilen. Wenn wir ein Hel-dengedicht lesen, oder ein Dramasehen, so dürfen wir nach Vollendungdesselben nur versuchen, ob wir dieseFragen beantworten können: Wasfür eine Handlung war dieses, wo-durch veranlasset, und was war derAusgang? Wie kam es, daß dieSachen liefe Wendung nahmen?Was hat dieser, und der von den
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handelnden Personen, zu der Sachebepgetragen? Woher entstund diese,und diese Veränderung in der Lageder Sachen? Wenn wir uns derglei-chen Fragen beantworten können,und wenn uns dünkt, wir sehen dieganze Handlung vom Anfange biszum Ende, nach allen Hauptumstän-den und Hauptpersonen, wie ein Hel-les Gemählde vorAugcn: so fchltcsdem Gedichte nicht an Klarheit imGanzen.
Hören wir ein Concert, oder einanderes Tvnsiük, so dürfen wir nurAchtung geben, ob wir empfinden,daß Gesang, Harmonie und Bewe-gung mir den Aeußcrungen einer be-kannten Leidenschaft oder Empfin-dung übereinkommen; ob sie sichdurch das ganze Stük allmahlig ver-stärkt, oder ob sie bey demselben Gra-de der Starke verschiedene Wendun-gen annimmt, wobey wir aber im-mer dieselbe Leidenschaft, oder Em-pfindungen sprechen hören. Hat die-ses statt, so ist das Concert im Gan-zen klar und verständlich genug.
Sehen wir ein Ballet mit allerAufmerksamkeit eines Liebhabers,ohne hernach sagen zu können, waser vorstellt; was für Empfindungendie Personen dabei) geäußert; wasfür Interesse sie überhaupt und jederbesonders dabei) gehabt ; durch wasfür einen Geist getrieben, sie so aus-serordentliche Wendungen und Ge-behrden gemacht haben: so lasset unsdreiste sagen, dieses Ballet sei) un-verständlich, und der Erfinder habeihm die nöthigc Klarheit nicht zu ge-ben gewußt.
Es ist für den Künstler äußerstwichtig, seinem Werk im Ganzendie höchste mögliche Klarheit zu ge-ben, ohne welche das Werk des größ-ten Genies keinen großen Werthhat. Hierüber wäre ungemein vielzu sagen: aber wir können nur dasVornehmste kurz anzeigen.
Der