42 Kl a
der Kehle, noch zu weit vor zwischenden Dahnen, oder blos auf den Lip-pen gebildet werden. Dazu müssennoch starke Acccnte kommen, undmehr lange, als kurze Sclbstlautcr.<^e näher überhaupt die Aussprachemizeler Worte dem Gesänge kommt,je starker sind sie.
Die zweyte Eigenschaft der Wor-ter ist ein deutlicher Klang. Den ha-ben sie, wenn die verschiedenen Syl-ben gut von einander abstechen, daßdie cinzelen Theilc eines Worts klarvernommen werden. Es gicbl Wör-ter, die kein Mensch, der sie zum er-stenmal höret, nachsprechen, oderschreiben konnte: diese sind das Ge-gcntheil deutlicher Worter.
Hat ein Wort die deichen erwähn-ten Eigenschaften, so hat es auchschon das Wichtigste in Absicht aufdas leichtsBehalten. Doch mag wolauch in manchen Fallen das leichteAussprechen noch von andern Eigen-schaften herkommen. Der Buchsta-ben X hat, als ein Mitlauter, denstärksten Klang, ist auch deutlich,aber doch schwer auszusprechen.Darum kommt auch viel darauf an,daß ein Wort nicht allzuschwerc Be-wegungen der Glicdmaaßen derSprache erfordere.
Dicfes scheinen also die Grundsätzezu sei)», nach welchen die Wörter derSprache zum ästhetischen Gebrauchverbessert werden müssen. Wärenicht die Bildung der Sprache demvölligcnDesporismus des Gebrauchsunterworfen: so würde es wol derMühe Werth seyn, eigene Veranstal-tungen für die Verbesserung dersel-ben, in Absicht auf den guten Klangder Wörter, zu machen. Sollte esinzwischen irgend einer dentschenAca-demie gelingen, Ansehen genug beyder ganzen Nation zu erhalten: sokönnte sie alsdcnn durch ein Wörter-buch hierin viel Nutzen stiften. Aberder Gebrauch ist ein schnelleres undkräftigeres Mittel. Wir müssen die
K l a
Verbesserung des Wolklangcs derSprache von Schriftstellern erwar-ten, die allgemeinen Bcyfall finden.
Hier zeiget sich die Wichtigkeit blosergötzender und belustigender Werkeder Beredsamkeit und Dichtkunst,wenn die Verfasser vorzügliches Ge-fühl für den Wolklang haben. Sicsind die besten Mittel den guten Klangder Sprache auszubreiten. So we-nig Achtung sie bisweilen ihres In-halts wegen verdienen, so schatzbarmüssen sie der Nation wegen diesesNcbennutzcns seyn. Einem blos er-götzenden Schriftsteller liegt ob, mitäußerster Sorgfalt wolklingend zuschreiben, weil darin sein Hauptver-dicnst besteht. So ist so gar billig,daß man die Dichter, die ein vorzüg-lich feines Ohr haben, lind sich demäußerst mühsamen Geschäfft, denhöchsten Wolklang zn suchen, unter-ziehen, durch Beyfall ermuntere;weil die Sprache durch sie in einerihrer schätzbarsten Eigenschaften ge-winnet.
Hier ist, glaube ich, auch der Ortanzumerken, daß blos in Rüksicht aufden Wolklang der Worte, die Ein-führung fremder, anstatt einheimi-scher Wörter, nicht nur erlaubt, son-dern verdienstlich scy. Haben wir fürgewisse nicht unwichtige Begriffe ei-genthümliche Wörter von schlechtemKlang, und ist ihnen gar nicht auf-zuhelfen, so sollte man sie, so oft esangeht, gegen fremde, wolklingcndevertauschen, und sie blos der gemei-nen Rede überlassen. So möchteichs, um ein Beyspicl zu geben, wolleiden, daß das Wort Gerückt fürimmer gegen Lama vertauscht wür-de; und so könnte man mit viel an-dern auch noch verfahren. Darin istHerr Ramlcr allen nach ihm folgen-den Dichtern mit seinem Beyspiel vor-gegangen.
Gur würde es auch seyn, wenn die,welche die neu herauskommendenSchriften des G-schmaks der Nation
ankün-