Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
41
Einzelbild herunterladen
 

K l a

Klang.

(Redende Künste.)

Aas menschliche Genie hat zwcyMittel erfunden den Gedanken einkörperliches Wesen zugeben, wodurchsie den äußern Sinnen empfindbarwerden: eines für das Gehör, dasandere für das Gesicht. Jenes istweit kräftiger als dieses, weil dasGehör stärker empfindet, als dasAuge *). Wir betrachten hier denKlang, oder Schall, blos in sofern er«in Mittel ist einzelc Begriffe, oderzusammengesetzte Vorstellungen, an-dern vermittelst des Gehörs mitzu-theilen. Es ließe sich zeigen, daß zudiesem Behuf von unfern Sinnen kei-ner so tauglich sey, als das Gehör;wir wollen es aber, um uns nicht inallzuticfc Betrachtungen einzulassen,hier als bekannt annehmen**). Hierzeiget sich also gleich die Wichtigkeitder Betrachtung der Sprache, in so-fern sie Klang ist. Wir wollen unsaber hier blos auf das Aesihetischceinschränken.

Man bedenke, wie schwach uns dieSprache rühren würde, wenn wir sieblos in der Schrift, ohne Klang hät-ten. Schon finden wir einen sehrgroßen Unterschied zwischen dem stum-men Lesen und dem lauten Vortrageiner Sache; und doch wird auch demstummen Lesen einigermaßen durchden.Klang aufgeholfen, der sich we-

*) S. Art. Gesang, II Th. S. z/o.

**) Wem daran gelegen ist, alles, washier und da von der ästhetischen Kraftder Töne angemerkt wird, aus richti-gen Gründen zu bcurthcilen, den »er-weise ich auf die Vcrglcichung unsererSinne, die ich in dem vierten Ab-schnitt der Theorie der angenehmenund unangenehmen Empfindungen,gegen das Ende angestellt habe. Auchwird man in Herrn Herders Untersu-chung übcx den Ursprung der Spra-che, welche den Preis bep der Berlini-schen Academic der Wissenschaften er-halten hat, einige ganz wichtige Be-merkungen hierüber finden.

nigstens in der Einbildungskraft im-mer dabey hören läßt. Für die re-denden Künste ist derKlang derRcdevon großer Wichtigkeit. Seine ästhe-tische Kraft kann sich auf dreierlei)Art äußern. Je vollkommener er ist,je stärker und lebhafter präget er ein-zelc Begriffe in die Vorstellungskraft;zusammengesetzte Vorstellungen hilfter in eine leicht faßliche und ange-nehme Form bringen; endlich kanner auch das Leidenschaftliche dcrVor-siellungcn verstärken.

Die Theorie der redenden Künstebetrachtet demnach den Klang; inAbsicht auf cinzclcWörter —aufRe-densarten und Perioden — und aufdas Leidenschaftliche der Töne. Hierschränken wir uns auf den erstenPunkt ein; der andere ist in die Ar-tikel Wolklaug und Perioden vcr-theilt, und der dritte kommt in derBetrachtung des lebendigen oder desleivensehaftlicken Ausörnks vor.

Der Endzwck der Beredsamkeitund Dichtkunst erfordert, daß jedeseinzelc Wort, wenn man auch nichtauf das Leidenschaftliche sieht, dasGehör mit hinlänglicher Stärke undKlarheit rühre, daß es schnell begrif-fen, und leicht behalten werde. Dascrstcre crwckt Aufmerksamkeit undzwinget uns Anthcil an der Sache zunehmen; das andre erleichtert dieVorstellung, und das dritte den fort-dauernden Besitz derselben. Hierausläßt sich leicht bestimmen, wie dieWörter der Sprache in Ansehung desKlanges muffen beschaffen scyn, wennsie den redenden Künsten diese drcyVorthcilc verschaffen sollen. Ihreerste Eigenschaft ist, daß sie laut undvolltönend seyen, und mit gehörigerStarke gleichsam anpochen, um auchbey mittelmäßiger Aufmerksamkeitihre Würkung zu thun. Was dazugehöre ist leichr zu sehen: viel undvolltönende Sclbstlaurer, Töne db:einen offenen Mund erfordern, dfiemitten un Munde, weder zu tief inC ; dcir