22 K i r
Seine vornehmste Sorge, nach ei-ner guten Wahl der Tonart und ei-ner höchst einfachen Fortschreitung,geht auf die Beobachtung der richti-gen Deklamation des Texts, welchesowol durch die Hauptstimmcn selbst,als auch durch die Harmonie kannfühlbar gemacht werden. Denn schondurch diese allein kann die wahreDeklamation befordert, oder gehin-dert werden. Also müssen z. B- dieEylben, die in einem ununterbroche-nen Zusammenhang, bis auf einenkleinen oder großer» Rnhcpunktfortfließen, nur von einer Har-monie begleitet werden, die dasGehör ununterbrochen fortreißt; sodaß es hochstfchlerhaft scyn würde,auf eine Sylbc, auf welcher schondas Gefühl der folgenden crwektwird, eine beruhigende Harmonie,wie der Dreyklang ist, zu nehmen.
Es ist vorher gesagt worden, daßdie Kirchenmusik sich vornehmlich andas diatonische Geschlecht halte. Die-ses ist aber nur von dem gemeinstenChoral, den die ganze Gemeinde mit-singet, zu verstehen, wo das Ein-fache und das Consonircnde allemaldie beste Würkung thut; besondersauch darum, weil zu solchen Chorä-len allemal ein sanfter Affekt sich ambesten schiket. Wo aber schon ein leb-hafterer oder gar heftiger Affekt vor-kommt, welcher denTonsekcr veran-lasset, die Form des Chorals zu ver-lassen, da wird auch in dem Gesangund in der Harmonie zu Erreichungdes Ausdrnks schon mehr crfodert,und da thun kleinere Intervalle, alsdie diatonischen sind, oft die besteWürkung. Man hat deswegen bis-weilen nicht nur chromatische, son-dern gar enharmonische Forrschrei-tnngcn hiczu nothig. Ehedem hatteman in einigen großen Cathedralkir-chen eigene Sänger, die sich in en-harmonische» Fortschreitungen beson-ders übten, und deswegen bey Gele-genheiten, wo sehr starke Leidcnschaf-
K i r
ten auszndrnken sind, dergleichenz. V> in den Klageliedern des Jere-mias vorkommen, ihre besonder»Stimmen bekamen.
Da überhaupt jede Kirchenmusik,von welcher Form sie sonst sc», denCharakter der Feierlichkeit und An-dacht nothwendig an sich haben muß:so hat der Tonselzer sich aller Künste-leyen, aller Figuren, Zierrathen undLaufe, die blos die Kunst des San-gers anzeigen, ferner aller geschwin-den Passagen, und alles dessen, wasden Ausdruk der Empfindung mehrausschweifend macht als verstärkt,zu enthalten. Fürnchmlich muß inden tiefen Stimmen die allzugroßeGeschwindigkeit vermieden werden,weil sie in den Kirchen sehr uachschal-len, 'und durch eine schnelle Folgetiefer Tone alle Harmonie verwirrtwird. Dcßwegen sind alle Arien,die nach der Opernsorm gemachtwerden, besonders aber die darinangebrachten Laufe und Schlußca-denzen völlig zu verwerfen.
Darum crfodert die Kirchenmusiknicht nur einen sehr starken Harmo-nisten, sondern auch zugleich einenMann von starker Uebericgung undeinem richtigen Gefühl; damit nichtentweder blos ein unordentliches Ge-räusch, ohne bestimmten Ausdruk,oder eincVermischung vonFeycrlich-keit und Ueppigkeit, die Stelle derernsthaften Empfindungen der An-dacht einnehme.
-S- -S"
Von dem eigentlichen Rirchengesan-ge handeln: De vero inndo stallend!,non Mich, de Mnris Gailiculus, aus demijten oder dem Anfange des löten Jahrh.— De drnic cliemin eis la tckuiigue,ou la msniere de clianrer Ic8 bleau,-me.8 ... p. D. Nonrgeon, D^onizzo.4, t dorr iarrodutkion inco rbs
keience ok ,Vlutlelie, macie kor iuclrSü are dellron8 rv dave rdeKnowledgellicreok kor rde tinging c>k bkaina«,
Dvnct