Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen
 

16 K ir

Die protestantischen Kirchen er«fodcrn eine andre Anordnung. DerChor kann ganz wegbleiben, wennnur an dessen Stelle, am Ende desSchiffs, ein etwas erhabener Platz ist,auf dem die Diener der Religion bei)Feyerung der weniger prächtigen Ge-bräuche , dem ganzen Volke sichtbarsind. Auch die Abseiten sind da ebennicht nothig, weil insgemein dasganze Volk versammelt ist, .ehe mitdem Gottesdienst der Anfang ge-macht wird. Judessen schaden dieAbseiten nichts, wenn sie als Gangegebraucht werden: nur müssen sienicht, wie häufig geschieht, zu ebendem Gebrauch bestimmt werden, alsdas Schiff! denn es ist geradezu un-gereimt, das Volk auf Platze zu stel-len, wo es weder den Prediger, nochdie Geistlichen sehen kann, die in an-dern gottesdienstlichen Verrichtungenbegriffen sind. Kirchen, wo dieseUngereimtheiten vorkommen, und siesind nicht selten, beweisen, wie we.nig man auch in einem so wichtigenGebrauch der Baukunst, nach Grund-sätzen verfahrt.

Das Wichtigsie bey Anordnungeiner protestantischen Kirche ist einesolche Einrichtung, daß an jedemOrte der Kirche der Prediger vonvorne gesehen und auch verstandenwerde. Dazu ist nun offenbar dieovale Form der Kirche die vortheil-haftcste. Ein nicht allzulänglichesVierek geht auch noch an, wennnur die Kanzel nicht an einer der län-gern, sondern an einer schmalen Seiteangebracht wird. Eine gute Einrich-tung ist es, die ich irgendwo gesehenhabe, daß gerade über dem Orte desAltars oder des Eommunionstischcsund Taufsteincs, eine Art einer so-genannten Emporkirche sieht, an de-ren Mitte die Kanzel ist.

Um in solchen Kirchen den Platzins engere zusammen zu ziehen, wirdoft über die Abseiten eine offene Gal-lerte herumgcführet, die man Lm-

K i r

porkirchen nennt, weil der Plast,da das Volk sitzet, empor gehobenist. Dieses ist überall nothig, wodie Versammlung sehr zahlreich ist,und der Zuhörer über taufend sind.Denn cin Schiffdicse zu fassen, wür-de schon zu groß seyn, als daß derPrediger an allen Orten könnte ver-standen werden.

Kirchen, die vorzüglich zum Predi.gen bestimmt sind, crfodern inwen-dig eben keine Pracht, wenigstenskeinen Reichthum; denn dieser wür-de nur die Aufmerksamkeit stöhren.Also kann man sich hier mit edlerEinfalt, und mit den schlechterdingswesentlichen Verzierungen der Bau-kunst begnügen. Aber diese Kirchenmüssen ein volles Licht von allen Sei-ten haben, nur nicht von der Kan-zel her, weil dieses die Zuhörer, dieden Prediger im Gesichte haben müs-sen, blenden würde. Vorzüglichmuß der Ort der Kanzel gut erleuch-tet seyn. Ucberhaupr muß alles In-wendige einen guten Anstand haben,daß kein Mensch von Gefchmak sichan irgend etwas stoße. Weiß soll-ten Deken und Wände nicht gelassenwerden, weil sie blenden; eine sanftegrünliche oder rechliche Farbe schi-ket sich besser. Ucberall aber>müßteauf die höchste Reinlichkeit und auchauf Nettigkeit der Arbeit gesehenwerden.

Von außen muß eine Kirche aufden ersten Anblik Größe und Würdezeigen. Große Parthien; nichts Uc-berladcnes; nichts von den kleinenZierrathen der Wohnhäuser; weitmehr glattes, als buntes; wenig-stens ein schönes, aber mehr einfa-ches , als bunt verkröpftes und ver-schnörkeltes Hauptportal. DieThür-me, .wenn sie nur gute Verhältnissehaben, . geben den Kirchen ein schö-nes Ansehen; weit mehr aber eineCupel. Die sehr hohen und schma-len, wie Nadeln gespitzten Thürmesind Einfalle eines schlechten arabi-schen