14
K e n
K i r
stellten Menschen ans der Schaubüh-ne, und die erdichwrcn Handlungenund Begebenheilen derselben, geradeso beurtheilen soll, wie es die Men-schen und Handlungen beurtheilet,die es in der Natur vor sich findet;er wird ihm blos. rächen, das fürschlecht und ungereimt zn halten,was dem natürlichen Lauf der Din-ge, den es doch schon einigermaßenkennt, widerspricht; die erdichtetenMenschen zu tadeln, deren Charak-ter und Sinnesart völlig außer derNatur ist, die abgeschmakc reden undhandeln, wie gar kein Mensch thnt.Ob übrigens die Sitten fein, dieScherze witzig genug .scheu; ob dieAeußerungen der Empfindungen nochroh, oder schon verfeinert seyen, unddergleichen Anmerkungen, hat er ebennicht nothig zu machen. Diese Dingewerden sich allmahlig von selbst ein-finden. Wenn der Mensch nur einmalauf dein rechten Weg des Geschmaksund des Nachdenkens ist, so geht ervon selbst weiter. Aber wen man durchwillkührlichc Regeln, die Vorurtheileerzeugen, auf Abwege gebracht, oderdem man durch eine Menge unver-ständlicher Vorschriften den Wegschwer gemacht hat, dem ist hernachsehr schwer wieder fortzuhelfen.
K i v ch e.
(Baukunst.)
Nus der Bestimmung eines jedenGebäudes, muß der Baumeister denPlan seiner Einrichtung erfinden,und die Art der Verzierung wählen.Da die Kirchen itzc die gemeinstenöffentlichen Gebäude sind, so verdie-nen sie vorzüglich das Nachdenken ei-nes Baumeisters. Meistcnthcils sindsie zu einem doppelten Gebrauch be-stimmt; zurAnhörung der geistlichenReden, und zur Feyer gottesdienstli-cher Cercmonien. Es giebt Kirchen,wie alle Kirchen der Protestanten,wo das erstere die Hauptsache ist; an-
dre aber, wie die größten und prach-tigsten Kirchen der romisch-katholi-schen Christen, sind vorzüglich zumzweyten Gebrauch bestimmt, und dererstere ist nur zufällig. Es wäredemnach unüberlegt, wenn ein Bau-meister beyde Arten nach einerlei)Grundsätzen anlegen wollte.
Die Kirchen, die vorzüglich zurFeyer der Ceremonien eingerichtetsind, werden natürlicher Weise so an-geordnet, daß der ganze inwendigeRaum in vicr Theile abgeth ilt wird,die Halle, das Schiff, die Abseiten,und den Chor. Das Schiff ist dervornehmste und größte innere Platz,auf dem das Volk zur Feyer der Ce-remonien steht. Die Abseiten einPlatz ooer ein räumlicher Gang umdas Schiff herum, damit man vonallen Seiten her gemächlich in dasSchiff kommen könne. Der Chorist der Platz, auf dem die Diener derReligion die heiligen Gebrauche ver-richten. Darum ist er am Ende desSchiffs, um etliche Stufen über das-selbe erhoben, damit alles, was dar-auf vorgeht, von dem im Schiffeversammelten Volke könne gesehenwerden. Die Halle ist ein Vorplatzam Eingang, damit die Thüren derKirche nicht unmittelbar an den of-fenen Platz stoßen.
An der vordern Seite des Chorssieht der Altar, gerade vor demSchiff. Der Chor selbst ist nach ei-ner eyförmigen Figur abgeründet,und hat von oben seine eigene ge-wölbte Dcke. Beydes darum, weilder Chor der Platz ist; wo die zumAbsingen der Hymnen und andrerGesänge bestellten Sänger stehen.Darum muß der Baumeister den Chornach den Regeln der Akulnk, oderder Wissenschaft von der besten Ver-breitung des Schalles, einrichten.Was in dem Chor gesungen wird,muß ohne verwirrenden Wiedeischallleicht, und doch deutlich im ganzenSchiff vernommen werden.
Neben