Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
13
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K e n

wurklich in diesem Handel begriffenePersonen wären. Welcher Menschvon einigein Nachdenken wird sichdenn scheuen sein Urlheil zu sagen,ob das Schauspiel ihm das wurklichgezeigt hat, was er hat sehen wol-len? Oder was für Wissenschaft ge-höret dazu, zu sagen, od die Hand-lung, die wir sehen, eine interessan-te und natürliche Handlung sey; obdieser Mann, den man uns als ei-nen Geizhals, oder als einen feinenBetrüger, oder als einen rachsüchti-gen Menschen beschrieben hat, würk-lich ein solcher sey?

Also brauchen bloße Liebhaber sichgar nicht um die Regeln der Kunst,sondern blos um richtige und faßlicheBegriffe über die Natur und denZwek der verschiedenen Arten derKunstwerke zu bekümmern. Nachdiesen Begriffen können sie ohne al-le Kunsttheorie, das Wesentlichstevon dem Werth solcher Werke selbstbcurtheilcn. Rousseau hat über dieBeurthcilung der für die allgemeineCultur des Verstandes und Herzensgeschriebenen Bücher, einen sehr ein-fachen Grundsatz angegeben, der sichleicht anfdie Beurtheilung der Kunst-werke, in so fern sie zu allgemeinemGebrauch bestimmt sind, anwendenlaßt.Ich meiner seits, laßt erjemand sagen, habe keine andre Art,das, was ich lese, zn beurtheilen,als daß ich auf die GemüthslageAchtung gebe, in der mich das Buchläßt: und ich kann mir gar nichtvorstellen, was für einen Werth einBuch haben könne, das den Lesernicht zum Guten lenkt")." Mit die-sein Grundsatz ist es leicht ein gründ-liches Urthcil über ein Buch zufallen.

Und eben so leicht würde die Beur-thcilung der Kunstwerke, seyn, wennunsre Kunstrichter und die Verfas-ser der mannigfaltigen periodischenSchriften, darin die von Zeit zu Zeitherauskommenden Werke des Ge-

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schmaks beurtheilet werden, sich an«gelegen seyn ließen, anstatt so vielGeheimnisvolles von denRcgeln derKunst, in einer dem gemeinen Leserunverständlichen Kunstsprache, zn sa-gen , ihm auf die rechte Spuhr hül-fen, selbst zu nrthcilen. Dieses wärebald gethau, wenn man nur bey jederGelegenheit die wahre und gar ein-fache Theorie der Kunst überhaupt,und jedes Zweiges derselben beson-ders, vorbrächte, darnach urthcilte,und so die allgemeine Kritik in ihrerwahren Einfalt darstellte, und aufpopuläre Kenntnis zurükführte.

Man überlasse den Künstlern undKunstrichtern über die Geheimnisseder Kunst, Und über die Regeln zuurtheilen, und halte sich andicWür--knng, die ihre Werke auf verständigeund nachdenkende Menschen machen.Wem ist etwas daran gelegen zu wis-sen, nach was für Regeln das Kleidgemacht ist, das ihm gut sitzt undcommod ist) oder wie die Speise zu-gerichtet worden, die ihm gut schmckt,und wol bekommt? Man bekümme-re sich nur erst überhaupt um helleund richtige Begriffe, und hüte sichein Urthcil über die Beschaffenheiteiner Sache zu fallen, che man weiß,was sie eigentlich feyn soll. Hat derLiebhaber einmal die ersten Grund-begriffe über die Werke der Kunst:so übe er sich fleißig im Genuß die-ser Werke. Dadurch wirb fein Gc-schmak allmahlig feiner, und er auseinem bloßen Liebhaber zuletzt einKenner werden. Man setze, daß beyeinem noch etwas rohen Volke dra-matische Schauspiele eingeführt wer-den, und daß ein Kenner zugleich un-ternehme, den Gefchmak dieses Vol-kes für solche Schauspiele nach undnach anzubauen. Wenn dieser Ken-ner verständig genug ist, so wird ersich begnügen das Volk nur auf dieersten Grundbegriffe der dramati-schen Kunst aufmerksam zu machen.Er wird ihm sagen, daß es die ver-stellten