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menhcit eines ganzen Werks zu be-urthcilen? Zuerst muß der Grundangegeben werden, auf den sich die-ses Urcheil stützen soll; darüber ist ineinem andern Artikel gesprochen wor-den *). Hier wird angenommen, daßjedes Werk der Kunst auf etwas be-stimmtes abzielen müsse. SeinenZwek, das was es sc»n soll, mußMan aus seiner Art abnehmen ken-nen. Ist dieses geschehen, so hatman das Urbild, wonach es im Gan-zen zu beurthcilen ist, und der wirdes am besten beurtheilen, der sowoldas Urbild, als das Werk am voll-kommensten gefaßt hat; fehlt unsdas Urbild, so können wir dem Werküberhaupt seine Stelle nicht anwei-sen. Welcher verständige Menschwürde die Frage beantworten, ob eingewisses Instrument gut scy, wenner nicht weiß, wozu es dienen soll?Wenn wir ein Gebäude von eineruns völlig unbekannten Art sähen?so konnten wir wol überhaupt urthei-len, daß alles mir Fleis und Nettig-keit gemacht, und aneinander gefügtsey; daß das Ganze gut in die Au-gen falle; daß es eine gute Festigkeithabe: aber ob der Baumeister in derAnlage, und in der Einrichtung, sichals ein verständiger Mann, oder alsein leichtsinniger Kopf gezciget habe,davon können wir gar nichts sagen.Wir wissen ja nicht, was es für einGebäude ist.
Es giebt gar viel Liebhaber, diediese so sehr einfache und so einleuch-tende Grundsätze der Bcurcheilungganz aus den Augen setzen. Und da-her kommt es, daß sie denn auf gu-tes Glük loben und tadeln, oder daßsie sich in einer ganz unnothigcn Ver-legenheit befinden, jemand anzutref-fen, der ihr Urtheil lenke: als wennirgend eine geheime Wissenschaft da-zu gehörte über den Werth einesWerks der Kunst zu urtheilen. Die-ser Wahn macht, daß sie jedem, den*) S. Werke der Kunst.
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sie, bisweilen sehr unverdienter Wei-se, für einen Kenner halten, nach-sprechen, und aus vollem Munde lo-ben oder tadeln, ohne einige Gründedazu zil haben. Daher kommt es,daß so mancher Künstler ohne Ver-dienst, oder Schuld, in einem gutenoder schlechten Rufe steht.
Gleichwol ist es keine schwere Sa-che zu wissen, was in jeder Kunst,jede Art des Werks eigentlich seynsolle. Wem fällt es schwer zu be-greifen, daß das historische Gemähl-de Menschen vorstellen müsse, die ineiner interessanten Handlung begrif-fen, oder bey einem bcmerkenswür-digen Vorfall versammelt sind; daßdes Mahlcrs Schuldigkeit ist, unsdiese Handlung so vorzustellen, daßdas, was jede der gcmahlten Perso-nen dabei) empfindet, in ihren» Ge-sicht, in ihrer Stellung und in ih-ren Gcbehrden, richtig und lebhaftausgedrükt werde? Hat man nunBegriffe von einer solchen Handlung;besitzt die Einbildungskraft Urbildervon leidenschaftlichen Minen, Ge-behrdcn und Stellungen: so ist garkeine Schwierigkeit mehr vorhanden,ein gründliches Urtheil über dasWerk zu fällen. Wie wenig gehörtnicht dazu, um zu wissen, daß jedesTonstük entweder Aeußerungcn einesin Leidenschaft gesetzten Herzensdurch den Gesang ausdrükcn, oderunser Gemüth in gewisse Empfin-dungen setzen soll? Selbst die Werkeder dramatischen Dichtkunst, überderen Beschaffenheit die Kunstrichterso geheimnisvoll sprechen, sind garnicht schwer zu beurthcilen. Mandarf sich nur erst sagen, daß dasSchauspiel eine interessante Hand-lung vorstellen müsse, bey welcherwir das Verhalten der inrercssirtenPersonen so natürlich vor uns se-hen, als wenn die Sache selbst vor .unfern Angen vorgefallen wäre, undals wenn die Schauspieler nicht blosfür diesen Fall erdichtete, sondern
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