Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
11
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Kunst besitzende Mahler, alle RegelnderPerspeknv in ihren mannigfalügenAnwendungen auf einmal vor Au-ge», und sieht die Ucbercinsiimmungdeö Werks mit denselben. Gar oftist dieses Vergnügen das einzige, dasKünstler und Kunstrichter von Wer-ken der Kunst haben. Ihnen gefal-len oft Werke, denen es sonst anGeist und innerer Kraft fehlet. Wodie Rede von dieser Art der Vollkom-menheit ist, da sind sie die einzigenRichter.

Nnnistnoch die dritte Frage übrig,die das UrcheU sowol über ganzeWerke, als. über einzelne Thcilc der-selben betrifft. Bcynahe in jedemWerke der Kunst machen die Schil-derungen, oder die Darstellung ge-wisser in der Natur vorhandenenDinge, das Vornehmste des Inhaltsaus. Die Dichtkunst schildert Cha-raktere der Menschen, bildet jede Zu>gcnd und jedes Laster ab; drükt dieSprache jeder Leidenschaft und Em-pfindung aus; dieses thut auch dieMusik, und die zeichnenden Künstebestehen ganz aus Schilderungen.Es scheinet der wichtigste Theil ihrerVollkommenheit zu scyn, daß dieseSchilderungen bis zur Tauschungnatürlich scyen. Wer soll nun die-ses beurrheilen? Hier ist die Antwortsehr leichte: Niemand» als wer rich-tige und helle Begriffe von den Ur-bildern hat, zugleich aber die jederKunst eigene Art des Ausdruks rich-tig versteht. Hiczu geHort nun wie-der gar keine Kenntniß der eigentli-chen Kunst. Ohne eine Note zu ken-nen, und ohne eine einzige Regelder Harmonie zu verstehen, ist esmöglich zu bcurtheilcn, ob die Tone,die man höret, ein richtiger Ausdrukeiner lcidcnschaftlichenSprache seyen.Wer auch kein Blumenblatt zeichnenkann, wenn er nur sehr helle Vor-stellungen von Physiouomien, vonredenden Gcsichtsbildungcu undStellungen hat, ist ein zuverlaßigcr

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Richter über die Zeichnung der Figu-ren in dem historischeu Geinahlde;und so ist ein Kenner der Menschenein guter Richter der Gedichte, we-nigstens der einzeln Theile, da Men-schen und menschliche Eigenschaftengeschildert werden. Die besten Rich-ter sind in diesem Stük die, in de-ren Köpfen das reineste Tageslichtleuchtet. Dieses ist nicht allemal derFall der Künstler, die gar oft durchallznhellen Schein geblendet werden.Ihre Vorstellungen sind die lebhaf-testen, aber nicht allemal die richtig-sten und deutlichsten

Doch wird hier allerdings auchUebung in dem jeder Kunst eigenenAnsdrük erfodert. Man mag nochso deutliche und so bestimmte Begrif-fe von allem, was zum Menschengehört, haben: so kann man denDichter noch nicht hinlänglich beur-lheilen, wenn man sich lischt völligmit seiner Sprache, mit der ihm ei-genen Art des Ausdruks, des To-nes, und der Wendung etwas be-kannt gemacht hat. Und so verhaltes sich auch mit den übrigen Kün-sten. Wer gar nie über Zeichnungund Verhältnisse nachgedacht, undsein Auge nie an Zeichnung und Ge>mählden geübt hat, dem ist doch inder Sprache der zeichnenden Künstenicht alles gelaufig. Um mit völli-ger Sicherheit über die Theile des, Werks zu urtheilen, die ihre Urbil-der in unsrer Vorstellungskraft ha-ben, muß man zu der vorher erwähn-ten Fähigkeit auch noch eine hinläng-liche Kunsterfahrung haben, diedurch öftcrn Genuß der Werke derKunst erlangt wird. Demnach nr-theilet der philosophische Kenner hieram besten; obgleich auch jederMensch von Hellem Geist wol urthei-len kann.

Noch ist vielleicht die wichtigsteder hier untersuchten Fragen übrig:Was wird dazu crfoderr, den Werth,oder die innere Würde und Vollkom-

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