Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
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chanisch ist, so muß das Urthal desKeimers überlegt scyu. Nicht das,was ihm mechanisch gefallt oder miß-fällt, muß von ihm gelobt oder ge.tadelt werden, sondern das, was dieeigentliche Sphäre der Empfindungder Menschen, für die das Werk ge-arbeitet ist, nicht erreicht, oder über-steiget.

Sollen wir Europäer dem Asiaterein unrichtiges Gefühl zuschreiben,wenn wir seine Musik unharmonisch,grob und barbarisch finden ? Kcines-wcges; wir müssen ihm auf seinWorr glauben, daß sie ihn ermuntere.Diese Würkung hätte sie auch aufuns, wenn wir so ungeübt wärenals er. Aber den könnten wir aus-zischen, der uns mit einer Musik ergo-tzcn wollte, darin alle Regeln derHarmonie übertreten worden; unddem würden wir die Beurtheilungs-kraft absprechen, der mir einer feinenund sehr künstlichen Symphonie einnoch rohes Volk rühren wollte.

Die zwcyte Frage betrifft das Ver-gnügen, welches man empfindet,wenn man nach einiger Anstrengungdes Geistes deutlich erkennt, wasman vorher undeutlich, oder gar ver-worren, gesehen. Der unmittelbareZwek der schonen Künste geht nichtauf deutliche Erkenntniß; da sie abereine von den Ursachen des Vergnü-gens ist, so ist sie in so fern dochein Gegenstand derselben. Gar oftkommt ein großer Theil des Gefal-lens, das wir an Werken der schönenKünste haben, aus dem gesuchtenUcbcrgaug von undeutlicher Erkennt-niß zur deutlichen. Wir loben denRedner, der uns eine verworrene Sa-che deutlich erzählt, und den drama-tischen Dichter, der eine vcrwikclteHandlung deutlich entfaltet und sozu Ende bringt, daß jede Vrsacheihre natürliche Würkung erreicht.In ociu Umfang der schönen Künstegiebt es häufige Schönheiten vondi er Art. Also kann auch hier die

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Frage ausgeworfen werden, wer dieseam besten beurtheilen könne.

Vielleicht giebt es Menschen, diedieses Vergnügen nicht kennen, weilsie das Bestreben deutlich zu erken-nen nie fühlen; diese würden alsoüber diesen Punkt gar nicht urtheilen.Uebcrhaupt kann man sagen, daß dieverständigsten Menschen sich am mei-sten bestreben, überall, wo es an-geht, demfich zu sehen. Dieses Be-streben aber kommt sowol von einemdazu angebohrucn Trieb, de» Men-schen von viel Verstand haben, alsvon langer Uebung durch Erlernungder Wissenschaften. Ob ein Werkder Kunst gut angeordnet fey, daßdas Ganze einen gewisten Grad derDeutlichkeit bekomme; ob eine ver-wikcltc Handlung sich gut entwikle;ob eine Begebenheit deutlich erzählt,eine Beschreibung ordentlich und be-stimmt sey; ob ein Bild, ein Gleich-nis, ciue Metapher von der erklä-renden Art richtig, ob eine Rebegründlich sey, und noch andre Fra-gen dieser Art, kann der Verständig-ste und der Philosoph am besten be-antworten, wenn er sonst gleich we-der Kenntnis der schönen Künste,noch einen geübten Geschmak hat.

Hingegen bleibet ein Zweig desVergnügens aus deutlicher Erkennt-nis, folglich auch das Urtheil überden Werth des Werks, in so fern erdaher entsteht, - blos dem Künstlerund dem Kunstl ichter: das Vergnü-gen, das aus der deutlichen Erkennt-nis der in dem Werk beobachtetenKunstregcln entsteht. Die vollkom-mene Msübung jeder Kunst setzet ei-ne Wissenschaft voraus, die derKunstrichtcr in dem vollkommenenWerk anschauend erkennt. DerTon-sctzcr bemerkt bey Anhörung der Mü-sch, wie genau jede cinzelc Regel desharmonischen Satzes darin beobach-tet worden; und bey Betrachtungeiner vollkommen gezeichneten Land-schaft, hat der die Theorie seiner

Knust