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EINLEITUNG.
So viel steht aber sicherlich fest, daß die medicinische Facultät in der Zahl der Promotionen hinterden anderen weit zurückblieb.
Die Klage, daß die Mediciner gelegentlich auch in leichtfertiger Weise promovirten, ohneauf die Vorbildung zu achten und an die medicinischen Kenntnisse einen hohen Maßstab zu legen,hat man im Jahre 1511 ebenfalls erhoben. „ Ist gescheen diss iar “, so heißt es 134 ), „das sie Ucen-tiaten gemacht, loie gelert wissen sie dye dodores, auch etzliche dye do nicht magistri vorher ge-west. Genau auf seine Begründung prüfen läßt sich dieser Vorwurf nicht mehr. Jedenfalls sinddie Baccalariats-Candidaten fast ohne Ausnahme Magister der Artistenfacultät gewesen. Die vonihnen, wie von den Licentiaten und Doctoren im Examen zu behandelnden Quästionen erscheinenuns zwar nicht recht geeignet, das Studium der Mcdicin jener Zeit in ein günstiges Licht zu setzen,aber die Lehrmethode war auch an den übrigen deutschen Hochschulen damals kaum besser.
Jedenfalls aber hat man sich, wie bei den Juristen, gegen klingende Münze auf dem Wege derDispensation leicht über die Bestimmungen, welche die Statuten über die zwischen den einzelnenPromotionen inne zu haltende Studienzeit aussprachcn, hinweggesetzt. Nicolaus Sallmsen von Oschatzzwar wurde Baccalarius im Jahre 1463 und als Doctor im Jahre 1471 recipirt, und Wenccslaus Eabrivon Budweis erwarb 1488 das Baccalariat und erst 1497 den Doctorhut. Ein genügend langesStudium lag mithin hinter ihnen. Es fehlt aber nicht an Beispielen, daß die Promotionen erheblichschneller vor sich gingen. So wurde Philippus Novinianus am 18. Mai 1525 Baccalarius, bereits am22. Juni Licentiat und am 17. März 1528 Doctor. Noch rascher legte Sigismund Krol den Weg durchdie academischen Würden zurück. Am 11. April 1527 zum Baccalarius promovirt, erlangte er schonam 28. Januar 1528 die Licenz und am 17. März desselben Jahres das Doctorat. Es hatte also nochnicht einmal eines Jahres bedurft, um ihn vom Scholaren in einen Doctor zu verwandeln. Auch hierhat man also häufig die Statuten außer Acht gelassen und mit Recht Grund zur Klage über leicht-fertiges Promoviren gegeben.
3. Die Bearbeitung des Textes. Die Liste der Promovirten ist bis zum Jahre 1512 ausden Notizen des ältesten Statutenbuches A zusanmiengestellt worden. Die Reihenfolge war dort eineganz zufällige. Es war daher nothwendig, die Einträge chronologisch zu ordnen. Von 1525 ab habeich das zweite Statutenbuch B zu Grunde gelegt, doch sind zugleich die Abschnitte, um welche dieHandschrift C reichhaltiger ist, eingefügt worden. Ich habe sie, abgesehen von der Angabe der Hand-schrift und Seitenzahl am Rande, dadurch kenntlich gemacht, daß ich an ihren Anfang einen und anihr Ende zwei Sterne gesetzt habe. Mit dem Jahre 1542 hört B auf, Stoff für die rromovirtenlistezu geben. Von da an war der Handschrift C allein zu folgen. Auch in dieser Zeit, von 1525—1545war es nöthig, die chronologische Folge, die in den Handschriften nicht streng eingehalten wird, her-zustellen. Von 1556 endlich bis zum Schluß des hier behandelten Zeitraums diente die Hand-schrift D als Quelle.
Bei der außerordentlich verschiedenen Art, in der die Decane die Einträge bewirkten oderbewirken ließen, war es unmöglich, den Abdruck einigermaßen übersichtlich zu gestalten. Ich habemich begnügt, Alles, was nicht unmittelbar mit der Promotion zusammenhängt, durch die Wahlkleinerer Typen im Text zurücktreten zu lassen.
IV. Die philosophische Facultät. 1. Die Handschriften. Reichhaltiger als die Promo-tionsverzeiclmisse der sogenannten höheren Facultäteu mußte das der Artisten- oder philosophischenFacultät sein, denn diese Facultät war die bei weitem zahlreichste. Eine erhebliche Menge ihrerHörer suchte den Magistertitel zu erwerben und eine noch größere Anzahl gelangte wenigstens zumBaccalariat. Gerade die Fülle der Promotionen brachte das Bedürfnis mit sich, es nicht bloß bei demertheilten Diplom bewenden zu lassen, sondern eine Liste aller Graduirtcn anzulegen, die in streitigenFällen urkundliche Beweiskraft für sich in Anspruch nehmen konnte. Da von Anfang an in der
134 ) Stiibel, Ui'kundenbuch 309.