DIE PHILOSOPHISCHE FACULTÄT.
XL11I
philosophischen Facultät das Decanat liallijälirlich wechselte, so war auch das Haupt der L'acultät vieleher veranlaßt, die Bücher der Facultät in voller Ordnung zu halten und die Verzeichnisse der Pro-movirten mit der wünschenswerthen Genauigkeit zu führen, als hei den anderen Facultäten, wo derSenior das Decanat häufig durch lange Jahre verwaltete und im Bewußtsein, daß die Uebcrgabeder Bücher an den Nachfolger nicht drängte, manche Einzeichnung hinausschob und daher wohlauch vergaß.
Verzeichnet sind die Promotionen für die Jahre 1409—1559 in zwei Bänden, die ich Mund N nenne 135 ). Der erste Band M enthält 224 von Zarncke gezählte und in der rechten unterenEcke mit Bleistift numerirte Pergameutblätter von 28,3 ctm Höhe und 21 ctrn Breite. Der Einbandbesteht aus starken Ilolzdeckeln, die mit braunem, gepreßtem Leder, das in der Randverzierung einimmer wiederkehrendes Spruchbaud mit dem Namen Maria zeigt, überzogen, durch Messingbeschlägean den Ecken und durch je fünf runde Buckel auf Vorder- und Rückseite geschützt worden sindund durch zwei gut erhaltene Messingschließer zusammengehalten werden. Der Rücken ist imBeginne des 18. Jahrhunderts erneuert worden und trägt den in Goldschrift auf rothes Leder ge-preßten Titel: MATRICULA \ FAC. \ PHIL. \ VOL. I. | AB Ao. Ufi9 — 1513. Die den Inhaltdes Buches zutreffender bezeichnende Benennung liest man auf der Rückseite des Vorderdeckels: „ Liberclccanatumn et promotorum in cirtibus.“ Vermuthlich wurde sie von Johannes Lireke, dem Decan desSommersemesters 1485, eingeschrieben, nachdem das Buch kurz vorher einen neuen Einband er-halten hatte. Derselbe Decan war es auch vermuthlich, der auf der Innenseite des hinteren Deckelsdie Bemerkung eintrug: „Anno domini MCCCCLXXX quinto sub decanatu magistri Nicolai Theynde lFdpurghavsen (Winter 1484) ligcitus est presens über una cum libro statutorum facuttatis ao'cium,nam antehac erat unus Uber.“ Das Entstehen des Bandes, wie er jetzt vorliegt, läßt sich danach undunter Berücksichtigung der Lagen, aus denen er zusammengeheftet ist, bis zum Jahre 1485 verfolgen.
Wie bei den anderen Facultäten sind zunächst die Promotionsverzeichnisse auf Lagen, dieden Statuten angeheftet waren, geschrieben worden. Solcher Lagen gab es vier, die erste zu 10, diezweite zu 8, die dritte und vierte zu je 10 Blättern. Das ursprüngliche Convolut, das Statuten undPromotionen umfaßte, endete daher mit dem jetzigen Bl. 38 der Matrikel. Auf Bl. 1 der jetzigenZählung begann Beruhagen, der erste Decan der Facultät, seine Einzeichnungen. Ihm folgten dienächsten zwei Decane, aber dann wurden bis zum S. 1425 die Nachträge nur noch selten bewirkt.Denn die Decane hinterließen einmal die Acten über die Promotionen mit den Schedae, auf denendie Namen derer standen, die sich zur Prüfung gemeldet hatten, wie auch die Ergebnisse der Prüfung,dann aber auch die Einzeichnungen der Promovirten in dem Liber conclusorum, der die Beschlüsseder Facultät enthielt. Es mochte ihnen daher überflüssig erscheinen, die Liste der Promovirten noch-mals in das Statutenbuch einzutragen. Erst vom S. 1425 wurde die Ordnung besser, wenn auch derFall, daß die Einzcichnung unterblieb, fernerhin noch vorgekommen ist. Für die fehlenden Semesterist meist Platz gelassen worden. Der Wunsch, die Liste der Promovirten in einer zweiten authen-tischen Form zu besitzen, war jedenfalls vorhanden. Deshalb wollte man wenigstens die Möglichkeitzu späterer Ergänzung der Lücken offen lassen. Die Rückseite des letzten Blattes (38' jetzigerZählung) benutzte man zu wichtigen Aufzeichnungen. Man trug hier die Feste der Facultät ein unddie Mitglieder der Facultät im engeren Sinne, d. li. des Consiliums. Es geschah dies unter dem Decanatdes Petrus Prischwitz im S. 1436, zu welcher Zeit die Facultät 13 Mitglieder zählte. Die Liste wurdeanfangs von verschiedenen Händen fortgesetzt. Auch trug man Bemerkungen über das Ableben derEingezeichneten nach. Aber mit dem 54. Magister hörte man, da der Platz zu Ende ging, mit denEintragungen auf. Der letzte Name ist dann beim Einbinden durch allzuscharfes Beschneiden derartzerstört worden, daß er nicht mehr zu entziffern ist. Die beiden vorhergehenden Magister Michael
135 ) Zarnckc, Urkundliche Quellen 783, nennt sie C und D.
ff