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2 (1897) Die Promotionen von 1409 - 1559
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XXXIII
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DIE JURISTISCHE FACULTÄT.

XXXIII

Das Verzeichnis der Licentiaten ist bis zum Beginn des Ordinariats des Johannes Breiten-bach, wie wir sahen, verloren gegangen. Unter Breitenbachs Ordinariat (14791508) sind 29 Licen-tiaten eingetragen worden, wovon 16 ihre Würde in utroque iure, 12 in decretis und 1 in legibuserworben haben. Im Anfänge überwiegen noch die licenciati in iure canonico, was mit dem damaligenDarnicderlicgen des römischen Rechts zusammenhängt.

Die Form der Eintragung schließt sich aufs Engste an die der Doctoren an. Weder wird,mit Ausnahme bei Johannes Kirßman, dem Prior von S. Thomas, des Standes, noch der Zeit derFromotion gedacht. Dagegen erwähnt die Liste die früher erworbene akademische Würde. Von den29 Licentiaten werden 9 Magister der Artistenfacultät genannt, doch war ihre Zahl vielleicht höher.

Wie die Namen der Licentiaten, so sind auch die der Baccalarien bis auf Johannes von Breiten-bach Ordinariat in Verlust gerathen. Während Breitenbachs Ordinariat und in den ersten Jahrenseines Nachfolgers Johannes Lindemann von Eisleben bis zum Jahre 1511 haben 123 Promotionenstattgefunden. Nicht überall hat man die Angabe für nötliig gefunden, in welchem Recht das Bacca-lariat erworben worden ist. Baccalarien beider Rechte sind 42 Scholaren geworden, des weltlichenRechts 5, des geistlichen 63. Auch hier überwiegen im Beginne des Ordinariats noch die Promo-tionen im geistlichen Rechte.

Die Form der Eintragungen ist im Großen und Ganzen dieselbe wie bei den Doctoren undLicentiaten. Recht wenig vertrauenswerth erscheint das Verzeichnis, wenn man in Betracht zieht,daß sich der Schreiber mit Angaben, wie dns. plebanus in Pirnis oder capellanus monialium, begnügte.Zu weit gehende Schlüsse aus den verhältnismäßig dürftigen Angaben über Stand und Würden zuziehen, dürfte daher nicht gerathen sein. Bemerkt werden soll hier nur, daß von den 123 Baccalarien26 Magister waren, 9 dem geistlichen Stande angehörten, 2 im weltlichen Dienst standen und 1 dasDecanat der medicinischcn Facultät bekleidete. Wahrscheinlich ist aber die Zahl der Magister wiedie der Geistlichen höher gewesen.

Auf einen festeren Boden kommen wir erst mit den Aufzeichnungen, die im Ordinariate desJohannes Lindemann im Jahre 1517 beginnen. Von Jahr zu Jahr und unter genauer Angabe desJahres sind hier die Promotionen zu den verschiedenen Würden in chronologischer Folge und untergenauer Anführung der bei dem Promotionsact thätig gewesenen Mitglieder der Facultät verzeichnetworden, und damit keines an Einkünften zu kurz komme, hat man stets die Bestimmung eingetragen,wer als Promotor, Compromotor, Präsentator, Vicekanzlcr oder Orator (Reconnnendator) bei dernächsten Promotion aufzutreten habe.

Die Zahl der Promotionen ist nicht gering. Es sind in der Zeit von 1517 bis S. 1559 ein-schließlich nicht weniger als 119 Baccalarien, 71 Licentiaten und 49 Doctoren promovirt worden.Es haben mithin 56 Promotionen jährlich stattgefunden. Das will bei einer Zahl von noch nicht100 Studenten der Jurisprudenz, die Leipzig im Beginne des 16. Jahrhunderts zählte 96 ), und diesicherlich seit etwa 1520 auf den vierten oder fünften Theil sank und sich später nur langsam wiederhob, sehr viel sagen, zumal wenn man bedenkt, daß bei der Höhe der Promotionskosten die ärmeren,also der größte Theil der Studenten, vom Erwerb der academischen Würden ausgeschlossen war.Weniger aber auf eifriges wissenschaftliches Streben als auf den Wunsch der Professoren, ihre Ge-bühren zu vermehren, lassen diese Zahlen schließen. Im Jahre 1511 wird laute Klage über dieLeichtigkeit der Promotion geführt 9 7 ).Dye promotion aller grad seyn bisher gar liederlich gescheen,so heißt es, dorffpfarrer , official und ander dye wenig leetion in rechten gehört haben, seint promo-virt, auch deren etzliche nicht gewust, wu dye iuristenschule stehe. 1 ' 1 ' Die Farben mögen dabei etwasstark aufgetragen sein, aber unbegründet war die Klage sicherlich nicht. Als Herzog Georg dieHerabsetzung der rromotionsgebühren forderte, um den ärmeren Scholaren die Erlangung eines

96 ) Bericht der Juristcnfacultät von 1511 bei Stübel, Urkundenbuch 306.°) Das. S. 309. Uebor das Datum Gess a. a. 0. 85.

COD. DIPL. SAX. II. 17.

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