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1 (1895) Die Immatrikulationen von 1409 - 1559
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EINLEITUNG.

Familienname aus der Bezeichnung des Handwerks oder einer anderen Thätigkeit entlehnt ist,die Neigung zum Latinisiren. So liest man Muratoris, Monetarii, Coci, Tortulatoris, Cantrifusoris,Sutoris, Carnificis, Cerdonis, Rustici, Sculteti, Judicis, Advocati u. a. m. Zumeist finden sich diese Namenim Genitiv angegeben. Daneben wird indeß auch schon der Nominativ gebraucht. Eigennamen, dievon Haus aus oder durch falsche Etymologie einen Sinn ergaben, lockten in den meisten Fällen dazu,ihnen ein klassisches Gewand umzuhängen. So stoßen wir auf Namen wie Inperterritus, Inquietis,Sapientis, Rustiinimicus, Immundus, finden wir einen Iliemps und Estatis, einen Avus neben einemJuvenis und endlich in Menge die Tiernamen wie Vultur, Lupi, Cuculi, Pavonis, Leonis u. s. f. Irgend-welche Regel hat darin nicht bestanden. Das Gutdünken des Studenten oder des Rectors hat dar-über entschieden, und so wenig legte man Werth auf die Genauigkeit der Angaben, daß bei späterenNennungen gelegentlich der Promotionen der Vatersname ganz wegbleiben oder in wesentlich anderer,z. B. in der deutschen anstatt der lateinischen Form Vorkommen konnte. Im 16. Jahrhundert er-scheinen auch gräcisirte Namen wie Harmatosecus, Ornithoparchus, Haloander, aber im Ganzen sindes ihrer nicht viele. Bei polnischen Namen hat es wohl der Rector für nöthig gehalten, eine Ueber-setzung hinzuzufügen. So ist im W. 1513 Pol. No. 8 zu Thomas Swetluck bemerkt latine Luciclianus,im S. 1522 Pol. No. 24 zu Martinus Kyßizca: i. e. Wunderlich.

2. Die Heimathsangabe. Besondere Wichtigkeit kommt zumal in der älteren Zeit, woder Gebrauch des Familiennamens noch schwankend ist, der Angabe des Ileimathsortes zu. Häufiggenug giebt sie uns allein die Möglichkeit, eine Person nachzuweisen. Leider lassen es aber geradehierin manche Rectoren an der wünschenswerthen Sorgfalt fehlen. So erwähnen z. B. Nicolaus Hüter(W. 1415), Johannes Hamme (S. 1418), Johannes von Hallen (W. 1418), Henning von Ilildesheim(S. 1420), Timotheus von Mergeuow (S. 1423), Conrad Donekorff (S. 1426) und andere die Orts-namen nur zu geringem Theil. Ja Timotheus von Mergenow begnügt sich sogar mehrere Male mitlakonischen Aufzeichnungen, wie Franciscus, Nicolaus, Conradus, die ein Erkennen der Persönlichkeitso gut wie unmöglich machen.

Der Brauch der Universitäten ist bei Angabe der Heimath in der Matrikel sehr verschiedengewesen. Die Prager Matrikel giebt allein den Heimathsort an, ebenso die Erfurter. In Heidelbergerscheint neben dem Ortsnamen sehr häufig die Angabe der Diöcese, desgleichen in Wittenberg, inRostock kommt sie zuweilen vor, in Köln durchgängig. In Leipzig schloß man sich, wie in anderenDingen, an die Gewohnheiten der Prager Hochschule an. Neben der Eintheilung in Nationen warfür eine solche in Kirchensprengel kein Raum, und dies um so weniger, da die Grenzen der Diöceseumit denen der Nationen keineswegs überall zusammenfielen. Nur an sehr wenigen Stellen sieht sicheinmal ein Rector veranlaßt, die Diöcese anzugeben. So erscheint z. B. W. 1412 Bav. No. 9 JohannesBirman de diocesi Herbipolensi, S. 1413 Bav. No. 8 Jacobus de Ilildischeyn in dyocesi Troverensi,W. 1532 Polon. No. 6 Petrus Wathaw diocesis Lublinensis ohne Angabe des Ileimathsortes, fernerS. 1422 Pol. No. 9 dominus Wernerus Widener plebanus in Bertoltsdorff Wratislaviensis dyocesis,S. 1425 Pol. No. 27 Franciscus Scherfczu de Tachwia presbiter Pragensis dyocesis, S. 1515 Bav. No. 134Petrus Mosellanus alias Schade Protegensis ex diocesi Treverensi. Warum hier und an einigen an-deren Orten es für nothwendig erachtet worden ist, die Diöcese anzugeben, während doch an vielenanderen Stellen bei wenig bekannten kleinen Orten die Angabe unterblieben ist, läßt sich nicht nacli-weiseu. Wie in anderen Dingen entschied hierüber die Willkür des Rectors.

Der Ortsname selbst wird anfangs überwiegend in der deutschen Form gegeben. Wohlwerden in der Regel die Ortsnamen, für die seit alter Zeit eine lateinische Bezeichnung vorhandenwar, in der klassischen Form verwendet und erscheinen leicht übersetzbare Namen in lateinischemGewände, finden also sich neben Aquisgranum, Wormatia, Colonia u. a. derart Nova civitas, Novumforum, Aschaffunionis, Cella episcopi, Lutra imperialis u. dergl. mehr, wohl wird anderen Namen ein-fach eine lateinische Endsilbe angehängt wie bei Elbingum, Saganum, aber das Bestreben der