XXXVIII
EINLEITUNG.
zweite Rector Helmold Gledeustede, ein Sachse, begann ebenfalls mit den Meißuern, fuhr dann mitder Nation des Rectors fort, ließ aber dann die Bayern den Polen vorangeben. In dem dritten RectorVincenz Grüner von Zwickau erhielt die Universität zum ersten Male einen Meißner zum Oberhaupte.Er inscribirte der Reibe nach Meißner, Polen, Sachsen, Bayern. Sein Nachfolger, der Bayer BurchardTüntzmann, wählte die Reihenfolge Meißner, Polen, Bayern, Sachsen, der Pole Laurentius von Iieils-berg dagegen Meißner, Polen, Sachsen, Bayern, ebenso der folgende Meißner Jakob Rodewitz, wäh-rend der siebente Rector, der Sachse Henning Boltenhagen, erst die Meißner, dann Sachsen, Polenund Bayern in die Matrikel eintrug. Der Gebrauch war also im Großen und Ganzen der, daß dieMeißner in der Reihenfolge die ersten wareu, dann die Nation des Rectors und zuletzt die beidenanderen Nationen abwechselnd folgten, doch hat man diese Ordnung, wie wir sehen, nicht strenginnegehalten.
Eine Aenderung ist dann im W. 1415 beliebt worden. Nicolaus Hüter von Chemnitz be-diente sich der von den Landesfürsten festgesetzten Reihenfolge: Meißner, Sachsen, Bayern, Polenund überwies dabei endgiltig die Lausitzer zur sächsischen Nation. Es ist zu vermuthen, daß diePolen für den Verzicht auf die Lausitz von den Meißuern die Aufgabe des Vortritts verlangten unddie anderen Nationen diese Forderung unterstützten. Festgesetzt wurde jedenfalls, daß die Nationdes Rectors das Anrecht auf den ersten Platz in der Matrikel erhielt. Der 14. Rector LubbertStarten von Osnabrück begann daher mit den Bayern und ließ dann Meißner, Polen und Bayernfolgen, der 15. Rector, der Sachse Helmold Gledenstede, schrieb die Nationen in der ReihenfolgeSachsen, Bayern, Meißner, Polen ein, sein Nachfolger, der Pole Mathias von Haynau, wählte dieReihenfolge Polen, Sachsen, Meißner, Bayern. Die Reihenfolge war damit in der Matrikel derart ge-ordnet, daß die Nation des Rectors den Anfang machte, die Nation des Exrectors an zweiter, dieNation des vorletzten Rectors an dritter, die Nation des drittletzten Rectors an vierter Stelle folgte.
Zugleich aber ist höchstwahrscheinlich im Jahre 1415 der Antheil der Nationen am Rectorategeregelt worden. Eine gewisse Ungleichheit war nehmlich bisher bei Besetzung des Rectorats zu Tagegetreten. In den ersten 12 Semestern waren die Fasces an die Polen vier Mal, an die Sachsen undBayern drei Mal, an die Bayern sogar nur zwei Mal übergegangen. Das mag die Bayern unzufriedengemacht haben, und vielleicht erklärt sich durch ihr entschiedenes Auftreten, daß im S. 1416 gleichnach dem Meißner Nicolaus Hüter der Bayer Lubbert Starten gewählt wurde. Doch hatten dieBayern bei dem damaligen Uebergewicht der polnischen und sächsischen Nation nicht die Aussicht,regelmäßig zum Rectorate zu gelangen. Von den ersten 16 Rectorateu hatten sie immer erst dreibekleidet, während den Sachsen und Meißnern diese Ehre je vier Mal, den Polen sogar fünf Mal zu-gefallen war. Ihrem Drängen ist es jedenfalls zuzuschreiben, wenn jetzt, wie die Reihenfolge derNationen bei der Inscription, so auch die Rectoribilität der Nationen geordnet wurde. Die neueOrdnung beginnt mit dem 17. Rector Hermann von Torgau. Von mm an folgen im Rectorat Meißner,Sachsen, Bayern, Polen. Eine Ausnahme findet sich nach dem 43. Rectorate (W. 1430). Die polnischeNation, an die die höchste Würde der Universität übergehen sollte, ist ganz ausgefallen, eine Er-scheinung, die durch das sehr erhebliche Sinken der Frequenz in der polnischen Nation zu erklärensein wird. Man ging sogleich zur meißnischen Nation über, ließ aber daun zur Entschädigung derPolen einen Angehörigen dieser Nation folgen und wählte hierauf erst wieder einen Bayern undSachsen. Drei Mal hielt man in der nächsten Zeit an der Reihenfolge Meißner, Polen, Sachsen,Bayern fest. Vom 60. Rectorate (S. 1439) heißt es dann wieder zwei Mal Meißner, Sachsen, Bayern,Polen. Mit dem 68. Rectorate (S. 1443) erleidet diese Reihenfolge abermals eine Aenderung. DieAufeinanderfolge hinsichtlich der Bekleidung des Rectorats wurde nun Sachsen, Meißner, Bayern,Polen und sie erhob sich zum stehenden Brauch, wie ihn der Vers ausspricht: „Saxo, Mimenais,Bavarus tandemque Polonus.
Der wichtigste Unterschied gegen früher bestand darin, daß die erste Stelle an die Sachsenübergegangen war. Den Grund für diesen Wechsel hat man mit Recht in der Belehnung des Hauses