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1 (1895) Die Immatrikulationen von 1409 - 1559
Entstehung
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EINLEITUNG.

Der Einband bestellt aus starken, auf den Außenseiten mit gepresstem dunkelbraunemLeder überzogenen Holzdeckeln, die beide durch den häufigen Gebrauch abgerissen worden sind,aber der Handschrift beiliegen. Jeder der beiden Deckel weist mit Metall beschlagene Ecken auf.Die fünf Buckel, die Vorder- und Hinterdeckel schützten, sind verloren gegangen. Auch die beidenmetallenen Schließer sind abgerissen worden. Nur von dem einen hat sich auf dem vorderen Deckeldie Oese erhalten, die ein gefälliges Muster sehen läßt.

Die älteste Matrikel, die in diesem Bande A' enthalten ist, wurde angelegt als ein ver-muthlich in Pergamentumschlag geheftetes Convolut von sechs Pergamentlagen zu je 12 Blättern,deren letzte allerdings um einen Bogen und um ein einzelnes Blatt wieder verringert wurde. Dieseursprüngliche Matrikel bilden Blatt 1685 der Zarnckeschen Zählung.

Der erste Rector Johannes Ottonis von Münsterberg, der sein Amt am 2. December 1409antrat, ließ, als er, vermuthlich gegen Ende seines Rectorats, sich anschickte, die Immatrikulirteneinzuzeichnen, das erste Blatt der ersten Pergamentlage (jetzt Bl. 16) frei und begann auf der Rück-seite des zweiten Blattes (jetzt 17') mit den Namen der von den Gründern der Universität, den Mark-grafen Friedrich und Wilhelm, bestellten Professoren. Alsdann ließ er wieder eine Seite frei, die fürdie Eintragung später hinzutretender Lehrer bestimmt war, und begann von der Rückseite desdritten Blattes (jetzt Bl. 20') an die immatrikulirten Studenten einzuzeichuen. Die ersten 22 Namensind mit derselben Tinte wie die Namen der Professoren geschrieben worden, alsdann wird dieTinte dunkler. Zarncke schließt daraus, daß die Eintragung der Professoren und der ersten 22 Stu-denten unmittelbar nach der Einweihung der Universität und Münsterbergs Wahl stattgefunden hat,die ferneren Immatrikulationen dagegen erst am Schlüsse des Rectorats eingeschrieben worden sind.Doch ist kein Grund dafür vorhanden, daß Münsterberg mitten in der Inscription abbrach, um sieerst gegen das Ende seiner Amtsthätigkeit abzuschließen. Die Handschrift ist so genau dieselbe, dassman annehmen kann, daß er, weil die zuerst benutzte Tinte zu blaß erschien, zu einer dunklerengriff. Nach Münsterberg trug Helmold Gledenstede die von ihm immatrikulirten Studenten ein.Ihm folgten die nächsten Rectoren. Läßt es sich auch nicht immer erweisen, so ist doch von vorn-herein anzunehmen, daß es der Rector war, der eigenhändig die Namen der neucintretenden Studentenverzeichnete. Von Semester zu Semester wenigstens wechselt die Schrift, und mehr als ein Rectorversichert ausdrücklich, daß er mit eigener Hand die Namen eingetragen habe.

In der zweiten Hälfte der letzten Pergamentlage legte man ein Calendarium zum Gebrauchefür den Rector an. Seine Anordnung ist aus dem Abdruck S. 1621 deutlich zu erkennen. Es be-zeichnet die Tage nach der Ordnungszahl im Monat in rother, nach dem Wort des Cisiojanus inschwai-zer und nach dem römischen Kalender wieder in rother Schrift. Entworfen wurde das Ca-lendarium im Anschluß an das an der Prager Hochschule im Gebrauche gewesene 2 ), und nur insofernwich man von jenem ab, als man alle Tage auch nach dem römischen Kalender bezeichnete. Prak-tische Verwendung hat dabei der Cisiojanus gar nicht gefunden, und wenn II. Grotefend behauptet,daß die Universität Leipzig im 15. Jahrhundert nach dem Cisiojanus datirt habe 3 ), so ist er dafürden Beweis schuldig geblieben.

Das Calendarium selbst dient nicht kirchlichen Zwecken, denn die Zahl der Festtage, dieübrigens mit rother Tinte eingetragen worden sind, ist äußerst gering. Vielmehr ist bei der Ein-tragung der Festtage nur Rücksicht auf den Unterricht genommen worden. Daher werden außer denallgemein gefeierten wichtigsten heiligen Tagen nur diejenigen genannt, die, wie die Tage derSchutzpatrone von Merseburg, Meißen und Magdeburg, für die Hochschule von besonderer Bedeutungwaren, daher wird auch hervorgehoben, vor welchen Festen die disputationes serotinae wegzufallenhaben, und werden endlich der Georgstag, der 23. April, und St. Gallus, der 16. October, als die Tage

2 ) Gedruckt Mon. hist, univers. Carolo - Ferdinandeae Pragensis (Pragae 1830) I, xvn ff.

3 ) Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit (Hannover 1891) I, 24.