d) Die Schriften der beiden Juden Philo und Josephus Flavius. Dererstere, geboren zu Alexandrien im Jahre 25 v. Chr., ein Platoniker, gabüber die symbolische Bedeutung des Gesetzes und mehrerer religiöser Gebrauchewichtige Bemerkungen. Josephus Flavius, geboren zu Jerusalem 37 n. Chr.,schrieb eine Geschichte des römisch-jüdischen Krieges, an dem er selbst Theilnahm, in sieben Büchern, und zwanzig Bücher über die jüdischen Alterthümer,worin eine Geschichte des jüdischen Belkes bis auf das 12te Jahr des Kai-sers Nero gegeben wird. In dem Werke gegen Apivn vertheidigte er seineGeschichte gegen seine heidnischen Gegner. Vorzügliche Ausbeute gewahrendiese Schriften in Bezug auf die religiösen Zustände zu Zeiten des Ver-fassers. ')
>) Opeis ?liilonis eiiill. Tliomos lVlsn^s/. I^onclon 1742. L. ZZ, kioliter.ltöpslao 1828.
OpeiÄ >7o5eplii klavii eclill. Lindert llaveroainp Lotv. 1726. 2 Vol.
L. L. kioliter. I,ipsioe 1826 — 27. 3 Vol.
8.
c) Der Talmud (d. i. die Lehre, das Lehrbuch). Sein Hauptbestand-teil ist die Mischna (d. i. das zweite Gesetz), welche eine Sammlung derältesten jüdischen Ueberlieferungen ist, und der Rabbi Juda, auch Hakadosch,der Heilige, und Hannasi, der Fürst genannt, um das Ende des zweitenund den Anfang des dritten Jahrhunderts n. Chr. abgefaßt hat, damit dieseUeberlieferungen bei der immer größeren Zerstreuung der Juden nicht ver-fälscht würden, oder gar in Vergessenheit kämen. Der Mischna ist die Ge-mara (8upplementiuu) beigegeben, d. i. eine Sammlung der berühmtestenrabbinischen Meinungen über die Mischna. Sie theilt sich in die Jerusalemischeund Babylonische Gemara. Jene, die ältere, von Rabbi Jochanan im vier-ten Jahrhundert zusammengetragen, heißt so, weil sie im syrisch-jerusalemischenDialekte und im gelobten Lande geschrieben wurde; diese, von Rabbi Ascheim fünften Jahrhundert gesammelt, stammt aus Babylonien, wo die Judendamals ihre berühmtesten Schulen hatten, und ist in der babylonischen oderchaldäischen Mundart geschrieben. Die letztere Gemara hat unter den Judengrößeres Ansehen und ist darum ungleich mehr verbreitet. In deren Ausga-ben finden sich am Rande häusig auch die sogenannten Tosaphot (Zusätze),welche Meinungen jüdischer Lehrer über die Gemara enthalten, und auch eine