73
und nordamerikanischen Litteratur, erfreut, mit den Be-nennungen „beschreibender Poesie und Landschaftsdichtung"tadelnd belegt, so bezeichnen diese Benennungen wohl nurden Mißbrauch, welcher vermeintlichen Grenzerweiterungendes Kunstgebictcö schuld gegeben wird. Dichterische Be-schreibungen von Naturerzeugnissen, wie sie am Ende einerlangen und rühmlichen Laufbahn Delille geliefert, sind beiallem Aufwände verfeinerter Sprachkunst und Metrik keines-weges als Naturdichtungen im höheren Sinne des Wortszu betrachten. Sie bleiben der Begeisterung und also dempoetischen Boden fremd, sind nüchtern und kalt, wie alles,was nur durch äußere Zierde glänzt. Wenn demnach diesogenannte „beschreibende Poesie" als eine eigene für sichbestehende Form der Dichtung mit Recht getadelt wordenist, so trifft eine solche Mißbilligung gewiß nicht einernstes Bestreben die Resultate der neueren inhaltreicherenWcltbetrachtung durch die Sprache, d. h. durch die Kraftdeö bezeichnenden Wortes, anschaulich zu machen. Sollteein Mittel unangewandt bleiben, durch welches uns dasbelebte Bild einer fernen, von andern durchwanderten Zone,ja ein Theil des Genusses verschafft werden kann, den dieunmittelbare Naturanschauung gewährt? Die Araber sagen"figürlich und sinnig, die beste Beschreibung sei die, „in welcherdas Ohr zum Auge umgewandelt wird". Es gehört in dieLeiden der Gegenwart, daß ein unseliger Hang zu inhaltloserpoetischer Prosa, zu der Leere sogenannter gemüthlicher Ergüsse,gleichzeitig in vielen Ländern, verdienstvolle Reisende undnaturhistorische Schriftsteller ergriffen hat. Verirrungen dieserArt sind um so unerfreulicher, wenn der Styl aus Mangellitterarischcr Ausbildung, vorzüglich aber aus Abwesenheit