Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
63
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immer mit allegorischen Beziehungen, und mit einem künst-lichen Glanz übergössen, der uns nicht sowohl die freieLuft der Natur, die Wahrheit des Gebirges, die Schattender Thäler fühlen läßt, als daß in harmonischen, wohl-klingenden Versen eine geistvolle Beschreibung gegeben wird,die mit kleinen Nüancen immer wiederkehrt." In demSchauspiel das Leben ein Traum flu viclu o« sueno)läßt Calderon den Prinzen Sigismund das Unglück seinerGefangenschaft in anmuthigen Gegensätzen mit der Freiheitder ganzen organischen Natur beklagen. Es werden ge-schildert die Sitten der Vögel,die im weiten Himmels-raume sich in raschen Flügen regen", die Fische,welche,kaum aus Laich und Schlamm entsprossen, schon das weiteMeer suchen, dessen Unendlichkeit ihnen bei ihren keckenZügen nicht zu genügen scheint. Selbst dem Bache, derim Ringelgange zwischen Blüthen hingleitet, gewährt dieFlur einen freien Pfad." Und ich, ruft Sigismund ver-zweiflungsvoll aus, der mehr Leben hat, soll bei freieremGeiste mich in mindre Freiheit fügen! Auf ähnliche Weise,aber auch oft durch Antithesen, witzige Gleichnisse undKünsteleien aus Gongora's Schule verunstaltet, spricht imstandhaften Prinzen Don Fernando zum Könige vonFez.'" Wir erinneren an diese einzelnen Beispiele, weilsie zeigen, wie in der dramatischen Dichtung, die es vor-nehmlich mit Begebenheiten, Leidenschaften und Charakterenzu thun hat,die Beschreibungen nur Abbildungen desGemüths, der Stimmung der handelnden Personen werden.Shakespeare, der in dem Drang seiner bewegten Handlungfast nie Zeit und Gelegenheit hat sich auf Naturschilderun-gen geflissentlich einzulassen, malt durch Vorfälle, Andeu-