phantasiereichen Sprache) zeigt sich groß in der tobten Naturwie in der lebendigen, im wilden Kamps der Elemente wieim stillen Treiben der organischen Entfaltung. Bei derallmäligen Auslösung der römischen Weltherrschaft ver-schwinden freilich nach und nach, in den Schriften jenertraurigen Zeit, die schöpferische Kraft, die Einfachheit undReinheit der Diction; sie verschwinden zuerst in den latei-nischen Ländern, später auch in dem griechischen Osten.Hang zur Einsamkeit, zu trübem Nachdenken, zu innererVersenkung des Gemüthö wird sichtbar; sie wirkt gleichzeitigauf die Sprache und auf die Färbung deö Stpls.
Wenn sich auf einmal etwas neues in den Gefühlender Menschen zu entwickeln scheint, so kann fast immerein früher, tiesliegender Keim, wie vereinzelt, aufgespürt wer-den. Die Weichheit^ deö Mimnermos hat man oft einesentimentale Richtung deö Gemüthes genannt. Die alteWelt ist nicht schroff von der neueren geschieden; aberVeränderungen in den religiösen Ahndungen der Mensch-heit, in den zartesten sittlichen Gefühlen, in der speciellenLebensweise derer, welche Einfluß auf den Jdeenkreiö derMassen ausüben, machten plötzlich vorherrschend, wasfrüher der Aufmerksamkeit entgehen mußte. Die christlicheRichtung des Gemüths war die, aus der Weltordnungund aus der Schönheit der Natur die Größe und die Güte desSchöpfers zu beweisen. Eine solche Richtung, die Verherr-lichung der Gottheit aus ihren Werken, veranlaßte den Hangnach Naturbeschreibungen. Die frühesten und ausführlichstenfinden wir bei einem Zeitgenossen des Tertullianus undPhilostratus, bei einem rhetorischen Sachwalter zu Rom,Minucius Felir, aus dem Anfang deö dritten Jahrhunderts.