25
Alterthum auf uns gekommen, und doch gingen ununter-brochen Staatsmänner, Heerführer, und in ihrem GefolgeLitteratcn durch Helvetien nach Gallien. Alle diese Reisendenwissen nur über die unfahrbaren, scheußlichen Wege zuklagen, das Romantische der Naturscenen beschäftigte sie nie.Es ist sogar bekannt, daß Julius Cäsar, als er zu seinenLegionen nach Gallien zurückkehrte, die Zeit benutzte, um„während des Ueberganges über die Alpen" eine gramma-tische Schrift cke anaIagia anzufertigen.Silius Italiens(er starb unter Trajan, wo die Schweiz schon sehr ange-baut war) beschreibt die Alpengegend als eine schrecken-erregende, vegetationslose Einöde", während er mit Liebealle Felsenschluchten Italiens und die buschigen Ufer desLiris (Garigliano) besingt^. Ausfallend ist dabei, daß derwundersame Anblick gegliederter Basaltsäulen, wie dasmittlere Frankreich, die Nheinufer und die Lombardei sie invielfältigen Gruppen darbieten, die Römer zu keiner Be-schreibung, ja nicht einmal zu einer Erwähnung angeregt hat.
Während die Gefühle abstarben, welche das classischeAlterthum belebten und den Geist aus Handlung undAeußerung menschlicher Thatkrast, nicht auf Zuständeund Beschauung der Außenwelt leiteten, gewann eine neueSinnesart Raum. Es verbreitete sich allmälig das Chri-stenthum; und wie dieses, selbst wo es als StaatSreligionauftrat, in der großen Angelegenheit der bürgerlichen Frei-heit des Menschengeschlechts für die niederen Volkselassenwohlthätig wirkte, so erweiterte es auch den Blick in diefreie Natur. Das Auge haftete nicht mehr an den Ge-stalten der olympischen Götter; der Schöpfer (so lehrenes die Kirchenväter in ihrer kunstgerechten, oft dichterisch