110 Zeitgedichte.
Lieder.
i.
Welch ein zierlich EbenmaßIn den hochgeschvssncn Gliedern!Auf dem schlanken Hälschen wiegt sichEin bezaubernd kleines Köpfchen.
Reizend halb und halb auch rührendIst das Antlitz, wo sich mischenWollnstblicke eines Weibeslind das Lächeln eines Kindes.
Lag' nur nicht auf deinen SchulternHie und da, wie dicker Schatten,
Etwas Erdenstaub, ich würdeMit der Venus dich vergleichen —
Mit der Göttin Aphrodite,
Die der Meeresflut entstiegen,Aumutblüheud, schönheitstrahleud,Und, versteht sich, wohlgewaschcn.
2.
„Augen, sterblich schöne Sterne!"Also mag das Liedchcn klingen,Das ich weiland in ToScnnaAn dem Meere hörte singen.
Eilte kleine Dirne sang es,Die am Meere Netze flickte;Sah mich an, bis ich die LippenAn ihr rotes Mündchen drückte.
An das Lied, an Meer und NetzeHab' ich wieder denken müssen,Als ich dich zuerst erblickte —
Doch nun muß ich dich auch küssen.
3.
Es erklingt wie LiebestöneAlles, was ich denk' und fühl'.Ach! da hat der kleine schöneLiebesgott die Hand im Spiel.