Druckschrift 
3 (1900) Letzte Gedichte Romancero
Entstehung
Seite
106
Einzelbild herunterladen
 

Aeitgedichte.

Es Wird sich grausenhaft bewähren,Wenn einst erscheint der rechte Tag;Dann sollt ihr meine Stimme hören,Das Dvnnerwort, den Wetterschlag.

Gar manche Eiche wird zersplitternAn jenem Tag der wilde Sturm,Gar mancher Palast wird erzitternUnd stürzen mancher Kirchenturm!

29.

Nachtgedanke».

Denk' ich an Deutschland in der Nacht,Dann bin ich um den Schlaf gebracht,Ich kann nicht mehr die Augen schließen,Und meine heißen Thränen fließen.

Die Jahre kommen und vergehn!

Seit ich die Mutter nicht geschn,

Zwölf Jahre sind schon hingegangen;Es wächst mein Sehnen und Verlangen.

Mein Sehnen und Verlangen wächst.Die alte Frau hat mich behext.

Ich denke immer an die alte,

Die alte Frau, die Gott erhalte!

Die alte Frau hat mich so lieb,

Und in den Briefen, die sie schrieb,Seh' ich, wie ihre Hand gezittert,

Wie tief das Mutterherz erschüttert.

Die Mutter liegt nur stets im Sinn.Zwölf lange Jahre flössen hin,

Zwölf lange Jahre sind verflossen,

Seit ich sie nicht ans Herz geschlossen.

Deutschland hat ewigen Bestand,

Es ist ein kerngesundes Land!

Mit seinen Eichen, seinen LindenWerd' ich es immer wieder finden.

Nach Dentschlnnd lechzt' ich nicht so sehr,Wenn nicht die Mutter dorten war';Das Vaterland wird nie verderben,

Jedoch die alte Frau kann sterben.