228 Novellistische Fragmente.
Nachwelt kommen wird, und er selbst liegt schvn verscharrt auf demPsre Lachaisc, Der rote Stein aber steht noch immer fest auf derPlace Louis XVl,, und wird noch Jahrhunderte dort stehen bleiben,trotzend allem Schnecwasser, Wind und Schncidcrgeschmätz!
Das Spaßhafteste bei der Aufrichtung des Obelisken war folgen-des Ereignis:
Auf der Stelle, Ivo der große stein gelegen, che man ihn auf-richtete, fand man einige kleine Skorpionen, wahrscheinlich entsprungenans etwclchen Skorpioneueicrn, die in der Emballage dcS. Obeliskenans Ägypten mitgebracht und hier zu Paris von der Sonnenhitzeausgebrütet wurden. Über diese Skorpionen erhüben nun die Badaudsein wahres Zetergeschrei, und sie verfluchten den großen Stein, demFrankreich jetzt die giftigen Skorpionen verdanke, eine neue Landplage, woran noch Kinder und Kindeskinder leiden würden. . . Undsie legten die kleinen Ungetüme in eine Schachtel und brachten siezum Ooininissairs cls UoUcg des Madclainc-Viertels, Ivo gleichUroess-vsrvs.1 darüber aufgenommen wurde . . . und Eile that not,da die armen Tierchen einige Stunden nachher starben . . .
Auch bei der Aufrichtung großer GcistcSobeliskcn können allerleiSkorpionen zum Vorschein kommen, kleinliche Gifttiercheu, die viel-leicht ebenfalls ans Ägypten stammen und bald sterben und vergessenwerden, wahrend das große Monument erhaben und unzerstörbarstehen bleibt, bewundert von den spätesten Enkeln.
Es ist doch eine sonderbare Sache mit dem Obelisken des Luxor,welchen die Franzosen ans dem alten Mizrnim herübergeholt undals Zierat aufgestellt haben inmitten jenes grauenhaften Platzes, wosie mit der Vergangenheit den entsetzlichen Bruch gefeiert am21. des Januar 17Ü3. Leichtsinnig wie sie sind, die Franzosen, habensie hier vielleicht einen Denkstein aufgepflanzt, der den Fluch ansspricht über jeden, welcher Hand legt an das heilige Haupt Pharaos!
Wer enträtselt diese Stimme der Vorzeit, diese uralten Hieroglyphen? Sie enthalten vielleicht keinen Fluch, sondern ein Rezeptfür die Wunde unserer Zeit! O, wer lesen könnte! Wer sie ausspräche, die heilenden Worte, die hier eingegraben ... Es steht hiervielleicht geschrieben, Ivo die verborgene Quelle rieselt, woraus dieMenschheit trinken muß, um geheilt zu werden, wo das geheimeWasser des Lebens, wovon uns die Amme in den alten Kindcrmärchenso viel erzählt hat, und wonach wir jetzt schmachten als kranke Greise.Wo fließt das Wasser des Lebens? Wir suchen und suchen*) . . .
Ach, es wird noch eine gute Weile dauern, ehe wir das große
ch Hier fanden sich im Originalmannskript ursprünglich noch die später ge-strichenen Worte: „und ach, vielleicht der Mann, der es schon gefunden, vergasteinen Vcchcr mitzubringen, und kann nichts davon schöpfen, NM sich und anderedamit zu tränken." Der Herausgeber.